Ex-IBM-AWS-Chef warnt vor zu großer AI-Abhängigkeit
Sol Rashidi, ehemalige Tech-Executivin bei IBM, AWS und Estée Lauder, warnt vor einer wachsenden Abhängigkeit von Künstlicher Intelligenz – insbesondere im beruflichen Kontext. Mit über 200 AI-Implementierungen seit 2011 und Führungspositionen wie Chief Data Officer bei Sony Music oder Chief Analytics Officer bei Estée Lauder verfügt sie über tiefgreifende Erfahrung in der Skalierung von KI-Systemen. Heute leitet sie ein eigenes Unternehmen, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre Mitarbeiter auf die KI-Transformation vorzubereiten – nicht, um Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern um sie durch KI zu verstärken. Ihr zentrales Anliegen: KI soll den Menschen beschleunigen, nicht ersetzen. „Ich nutze AI täglich für Datenverarbeitung, um Muster und Erkenntnisse schneller zu erkennen – aber das Denken bleibt bei mir“, betont sie. Sie setzt auf KI als Werkzeug, nicht als Denkpartner. Besonders sensibel ist sie bei Kommunikation: Sie schreibt keine E-Mails, Keynotes oder persönlichen Texte mit KI, da sie die Authentizität, Nuance und intentionale Wirkung solcher Inhalte als unverzichtbar erachtet. „Was aus dem Herzen kommt, muss organisch entstehen“, sagt sie. Die Gefahr, kognitiv zu verarmen – sogenannte „intellectuelle Atrophie“ – sei real. Wenn man ständig auf KI zurückspringt, verliert man die Fähigkeit, kritisch zu denken und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Rashidi warnt vor der Gefahr, dass KI-Inhalte generisch werden, weil alle dieselben Modelle nutzen. Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht in der Nutzung von Tools, sondern in der eigenen kognitiven Leistung. Sie fordert bewusste Auswahl: „Nutze KI, um zu beschleunigen – nicht, um zu arbeiten.“ Ein konkretes Beispiel aus ihrer Vergangenheit: Ein Junior-Datenwissenschaftler lieferte eine Analyse für einen CMO, die auf ChatGPT basierte und äußerst überzeugend klang – doch ohne eigene Recherche oder Validierung. Die Qualität war oberflächlich. Daraufhin erließ Rashidi eine klare Regel: KI darf nur zur Unterstützung dienen, nicht zur Arbeitserledigung. „Ich bezahle für Ihren Verstand und Ihre Einzigartigkeit – nicht dafür, Texte zu kopieren“, sagte sie. Denn ein KI-API-Lizenz ist deutlich günstiger als ein menschlicher Mitarbeiter. Sie sieht eine zunehmende Herausforderung in der Informationsüberflutung und der zunehmenden Masse an KI-generierten Inhalten, die oft selbst wieder zur Weiterbildung von Modellen verwendet werden. Das führt zu einem „Grenzfall der Rendite“ – immer mehr Inhalte, immer weniger Differenzierung. Die entscheidenden Fähigkeiten der Zukunft: Urteilsfähigkeit, Validierung von KI-Ausgaben und kritisches Denken. „AI kann einen ersten Entwurf liefern – aber nur Sie können ihn prüfen, anpassen und verantworten.“ Industrielle Experten unterstützen ihre Sichtweise: KI sei ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliche Intelligenz. Die Fähigkeit, kritisch zu reflektieren, bleibe unersetzlich. Rashidis Ansatz – KI als Verstärker, nicht als Ersatz – wird als zukunftsweisend angesehen, besonders in der digitalen Transformation von Unternehmen.
