Scope3 heißt nun Apostra, setzt auf Agentic AI
Das AdTech-Unternehmen Scope3 unter den Gründern Brian O’Kelley und Anne Coghlan hat sich in Apostra umbenannt und fokussiert sich künftig vollständig auf den Einsatz von Agentic AI im digitalen Advertising. Mit der im März 2025 gestarteten Plattform will das Unternehmen den fragmentierten Medienkauf durch autonom agierende KI-Agenten revolutionieren. Statt der herkömmlichen Echtzeit-Auktionen ermöglichen Apostra-Agenten eine direkte, protokollbasierte Kommunikation zwischen Werbetreibenden und Medienbesitzern. Die Technologie basiert auf dem AdCP-Standard, einem von Scope3 mitentwickelten Protokoll, das eine gemeinsame Sprache für KI-Agenten schafft. Dadurch können Werbekampagnen plattformübergreifend in Kanälen wie Linear-TV, In-Store-Audio, Podcasts und Out-of-Home geschaltet werden, die traditionell nur schwer programmatisch erreichbar sind. Die Werbetreibenden-KI kommuniziert dabei ihre Ziele an die Agentur- oder Verlags-KI, die ihrerseits Audience-Daten und Buchungsoptionen bereitstellt. Dieser Ansatz automatisiert nicht nur die reine Beschaffung, sondern unterstützt auch Discovery, Verhandlung und Freigabe. Human-in-the-loop-Elemente bleiben erhalten, etwa die manuelle Freigabe über interne Kanäle wie Slack, um strategische Kontrolle und Kreativ-Qualität zu wahren. Geschäftsmodell und Marktakzeptanz setzen auf transparente Transparenz statt auf Provisionen. Im Gegensatz zu klassischen AdTech-Plattformen erhebt Apostra keine Transaktionsgebühren oder Umsatzbeteiligungen. Stattdessen werden add-on Intelligenzleistungen wie Kampagnenevaluation, Verhandlungsunterstützung und Katalogintegration lizenziert. Bisher arbeiten vierzig Medienpartner mit, darunter technische Adapter für Google, Meta, Amazon, Reddit und ChatGPT Ads. Erste sechs- bis siebenstellige Kampagnen laufen bereits, wobei eine nicht näher genannte Großmarke im April mit einer Million US-Dollar startete und das Experiment international ausweitete. Der Neustart markiert einen weiteren strategischen Wendepunkt für Brian O’Kelley, der in der Branche als Pionier des Ad Exchanges und ehemaliger CEO von AppNexus gilt. Scope3 war ursprünglich im Bereich der CO2-Bilanzierung digitaler Werbung entstanden. Aufgrund rückläufiger Nachhaltigkeitsbudgets bei Kunden und einhergehender Personalkürzungen auf etwa vierzig Mitarbeiter entschied sich das Führungsteam 2025 für eine komplette Neuausrichtung. Die Initiative wird in der Branche teils als mutiger Schritt zur Effizienzsteigerung, teils als fortlaufende Strategiewechsel kritisch betrachtet. Branchenexperten sehen im Agentic AI-Ansatz ein realistisches Potenzial, verweisen jedoch auf die notwendige Anpassung interner Beschaffungsprozesse und die Beständigkeit menschlicher Vertriebsnetzwerke. Apostoira plant, bis Mitte nächsten Jahres zusätzliche Kapitalaufnahme zu tätigen. Ziel ist die Etablierung der Plattform als neutrale Infrastruktur, die Medienverkäufer mit neuen Nachfrageressourcen versorgt und Werbetreibenden den Zugang zu bisher isolierten Kanälen eröffnet. Der Name Apostra verweist auf die Philosophie der Entschlackung: durch KI-gestützte Automatisierung sollen redundante Schritte eliminiert werden, ohne dabei Kontrolle oder Kreativität einzubüßen. Ob sich das Modell schnell durchsetzt, hängt letztlich von der Skalierbarkeit der Agenten-Interoperabilität und der Bereitschaft der Marketing-Organisationen ab, traditionelle Kaufverfahren schrittweise zu digitalisieren.
