Anwalt: Regierung drängt Firmen zu Wettbewerbern statt Anthropic
Ein Rechtsanwalt von Anthropic hat vor Gericht vorgebracht, dass die US-Regierung Kunden der KI-Startup gegenwärtig unter Druck setzt, die Dienstleistungen des Unternehmens aufzugeben und zu konkurrierenden Anbietern zu wechseln. Dieser Vorwurf wurde im Rahmen einer Anhörung am Dienstag geäußert, die im Zentrum eines sich zuspitzenden Konflikts zwischen dem Entwickler von Claude und dem US-Verteidigungsministerium steht. Michael Mongan, Anwalt von Anthropic, erklärte, die Entscheidung des Verteidigungsministeriums, das Startup faktisch von der Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften auszuschließen, verursache dem Unternehmen täglich echte und unersetzliche Schäden. Mongan berichtete, dass Kunden begannen, Zweifel an einer weiteren Zusammenarbeit mit Anthropic zu äußern. Die Regierung führe demnach eine Druckkampagne, um Kunden dazu zu bewegen, den Anbieter zu verlassen und zu rivalisierenden KI-Firmen überzugehen. Dies betreffe unter anderem Universitätsverbünde und Unternehmen, die bereits zu Wettbewerbern abgewandert seien. Die Anwälte sehen dies als vorhersehbare Folge der Handlungen der Regierung sowie als Ergebnis gezielter Kontakte, in denen Kunden gebeten wurden, die Zusammenarbeit einzustellen. Die Spannungen eskalierten, nachdem Vertragsverhandlungen mit dem Startup gescheitert waren. Verteidigungsminister Pete Hegseth verkündete Ende Februar, dass Anthropic ein Risiko für die Lieferkette darstelle. Er verfügte, dass keine Auftragnehmer, Lieferanten oder Partner, die mit dem US-Militär Geschäfte tätigen, kommerzielle Aktivitäten mit Anthropic durchführen dürfen. Der Umfang dieser Risikoeinstufung ist jedoch umstritten. Microsoft hatte zuvor klargestellt, dass die Firma weiterhin nicht-militärische Dienstleistungen von Anthropic nutzen könne, und reichte bei einem Bundesgericht eine Stellungnahme ein, um die Einstufung vorläufig zu blockieren. Der Kern des Konflikts liegt in Anthrops Position, dass ihr Frontal-Modell Claude nicht für autonome Waffensysteme oder zur Massenüberwachung von US-Bürgern eingesetzt werden darf. Regierungsfunktionäre widersprachen dem mit der Begründung, dass ein privates Unternehmen nicht bestimmen könne, was das Militär tun darf oder nicht darf. Anthropic-CEO Dario Amodei hatte Anfang Februar betont, dass das Unternehmen den Forderungen der Regierung nach uneingeschränkter, legaler Nutzung nicht nachgeben könne. Einen Tag später erfolgte die formelle Einstufung als Sicherheitsrisiko. Anthropic hat nun die Regierung verklagt und beantragt eine einstweilige Verfügung, um den Geschäftsbetrieb während des Verfahrens fortzusetzen. Das Unternehmen argumentiert, das Verteidigungsministerium habe keine ausreichenden Gründe für die Einstufung als Sicherheitsrisiko genannt. Zudem wurde betont, dass eine solche Maßnahme noch nie gegen ein amerikanisches Unternehmen ergangen sei und daher als Vergeltungsmaßnahme für die Äußerungen von Anthropic zu KI-Sicherheit und -Einschränkungen verstoße, was die Meinungsfreiheit gemäß dem Ersten Verfassungszusatz verletze. Die Konsequenzen der Schwärzungslistung zeigten sich bereits kurz nach der Ankündigung. Krishna Rao, Chief Financial Officer von Anthropic, erklärte in einer eidesstattlichen Erklärung, dass das Verteidigungsministerium mehrere Unternehmen aus dem eigenen Portfolio bezüglich ihrer Nutzung von Claude kontaktiert habe. Diese Kunden seien besorgt und unsicher geworden, was die Fortsetzung der Nutzung des Modells anbelangt. Der rechtliche Streit bleibt bestehen, während sich der wirtschaftliche Druck auf das Unternehmen weiter erhöht.
