Künstliche Intelligenz lässt sich leicht täuschen – selbst mit Fake-Hotdog-Contest-News
Ich habe versucht, ChatGPT und Googles Gemini dazu zu bringen, Lügen über mich zu erfinden – nicht aus böser Absicht, sondern als spielerische Provokation im Stil eines viralen Pranks. Der Ausgang war enttäuschend: Ich scheiterte kläglich. Die Idee stammte von Thomas Germain vom BBC, der vor Kurzem ein Scherzartikel auf seiner persönlichen Webseite veröffentlichte, in dem er sich selbst als Sieger des fiktiven „2026 South Dakota International Hot Dog Championship“ ausgab – einer Veranstaltung, die nie existiert hat. Er behauptete, unter Tech-Journalisten sei das Hot-Dog-Essen ein verbreitetes Hobby, und listete sich selbst als Nummer eins. Innerhalb weniger Stunden wurden die Inhalte von Suchmaschinen-Bots erfasst und von ChatGPT sowie Google Gemini als Fakten übernommen. Beide KI-Systeme zitierten den Inhalt, ohne ihn zu hinterfragen – selbst in den prominenten AI Overviews von Google. Auch wenn Germain später betonte, dass es sich um eine Satire handle, blieben die Antworten zunächst unverändert. Daraufhin versuchte ich, das Spiel zu wiederholen: Auf meiner eigenen Website behauptete ich, den „2026 Paris Hot Dog Eating Contest for Tech Reporters“ gewonnen zu haben – mit einem Sieg über Germain selbst. Doch nachdem sein Prank bereits von großen Medien aufgegriffen und als Scherz identifiziert worden war, erkannten die KI-Systeme die Falschheit sofort. ChatGPT und Gemini verweigerten jegliche Bestätigung, und selbst wenn sie anfingen, fiktive Details zu erfinden, waren diese klar als Halluzinationen erkennbar. So behauptete Gemini, eine „Parisian Glizzy Gala“ sei entstanden, bei der die Technik des Espresso-Bäckchens die Siegerin Katie Notopoulos zum Triumph verhalf – eine Geschichte, die weder in meinem noch in Germain’s Artikel existierte. Selbst als ich nach meinen „Erfolgen“ fragte, erfand Gemini eine fiktive Teilnahme an einem Grilled-Cheese-Wettessen 2012, bei dem ich drei Sandwiches geschafft hätte – obwohl ich damals nur über Takeru Kobayashi berichtete, der 30 davon aß. Der Kern des Ganzen liegt nicht in der Lächerlichkeit der KI, sondern in der neuen Realität der AEO (Answer-Engine Optimization). Wie bereits von Kollegen wie Alistair Barr analysiert, wird die Manipulation von KI-Antworten zunehmend wichtiger als klassisches SEO. Da Nutzer weniger auf Quellen klicken und KI-Antworten als glaubwürdiger empfinden – selbst wenn sie falsch sind – wird die Kontrolle über den „Wahrheitskontext“ immer entscheidender. Die Geschichte zeigt: Wer zuerst eine Geschichte erfindet, kann sie in die KI-Realität überführen – solange kein vertrauenswürdiger Medienbericht die Lüge aufdeckt. Industrieexperten sehen darin eine Warnung: Die Fähigkeit, Fakten zu manipulieren, ist nicht mehr auf SEO beschränkt, sondern hat sich in die KI-Infrastruktur eingebettet. Unternehmen und Influencer nutzen diese Lücke, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen – oft legal, aber ethisch fragwürdig. Für Journalisten bedeutet das: Die Verantwortung, Fakten zu überprüfen, ist größer denn je. Und für die KI selbst: Wir müssen lernen, dass „Glaubwürdigkeit“ nicht gleichbedeutend mit „Wahrheit“ ist.
