Disney klagt ByteDance wegen Urheberrechtsverletzung durch Seedance 2.0 an
Disney hat einen rechtlichen Schritt gegen ByteDance unternommen, nachdem dessen KI-Video-Generationsmodell Seedance 2.0 Bilder von Disney-Charakteren wie Wolverine und Thanos erzeugt hatte – ohne Genehmigung. Der Clip, der über 142.000 Aufrufe auf X (ehemals Twitter) erzielte, wurde nicht von Disney produziert, sondern von einem Nutzer mit Seedance 2.0 erstellt. Die KI-Plattform, die ByteDance letzte Woche lancierte, ermöglicht es Nutzern, hochrealistische Videos zu erstellen, darunter auch fiktive Szenen mit bekannten Figuren aus Marvel und Star Wars. Dies löste eine Debatte über Urheberrechte und die Nutzung geistigen Eigentums in der KI-Ära aus. ByteDance folgt damit einem etablierten Muster in der KI-Branche: „Bitte um Vergebung, nicht um Erlaubnis“. Doch Disney, bekannt für seine strikte Verteidigung seiner geistigen Eigentumsrechte, reagierte anders als bei anderen KI-Unternehmen. Während es bereits gegen Midjourney, Character.AI und Google vorgegangen war – mit rechtlichen Schritten oder Abmahnungen – verfolgte es bei OpenAI eine andere Strategie. Als OpenAIs Sora-Modell im September 2023 ähnliche Inhalte generierte, verhandelte Disney stattdessen. Im Dezember 2023 wurde ein dreijähriger Lizenzvertrag vereinbart, der Sora-Nutzern unter bestimmten Bedingungen Zugriff auf 200 Disney-Charaktere ermöglicht. Zudem investierte Disney 1 Milliarde US-Dollar in OpenAI. Diese Kooperation zeigt, dass Disney KI nicht grundsätzlich ablehnt, sondern als Werkzeug zur kreativen Zusammenarbeit und zum Ausbau der Nutzerbindung sieht. CEO Bob Iger betonte auf einer Gewinnpräsentation, dass KI die Möglichkeit bietet, die Erfahrung auf Disney+ zu bereichern – etwa durch Nutzererzeugte Inhalte, insbesondere kurze Formate. Die unterschiedliche Reaktion auf Seedance und Sora unterstreicht, dass Disney nicht gegen KI selbst ist, sondern gegen deren missbräuchliche Nutzung ohne Zustimmung. Die Abmahnung an ByteDance signalisiert, dass das Unternehmen bereit ist, rechtliche Mittel einzusetzen, wenn seine IP verletzt wird – besonders wenn es um ikonische Marken geht. Die strategische Differenzierung zeigt, dass Disney zwischen „Risiko“ und „Möglichkeit“ unterscheidet: bei OpenAI sieht es eine Partnerschaft, bei ByteDance eine Verletzung. Industriebeobachter sehen in der Reaktion auf ByteDance eine klare Abschreckung an andere KI-Unternehmen, die auf Urheberrechte setzen. Experten betonen, dass die Rechtslage bei KI-Generierung von Inhalten weiterhin unklar ist, doch Disney positioniert sich als Vorkämpfer für Schutz von geistigem Eigentum. ByteDance, der Mutterkonzern von TikTok, steht unter Druck, da die KI-Entwicklung in China rasant voranschreitet. Disney bleibt jedoch konsistent: Es will seine Inhalte schützen – aber auch nutzen, wenn es die richtigen Bedingungen gibt.
