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Künstliche Intelligenz erkennt Demenzrisiko über Augenbildanalyse

Eine bahnbrechende Studie der National University of Singapore (NUS Medicine), geführt von Professoren Cheng Ching-Yu und Christopher Chen, zeigt, dass künstliche Intelligenz (KI) retinale Fotos nutzen kann, um das Risiko für kognitive Verschlechterung und Demenz vorherzusagen. Das in Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Forschungsprojekt entwickelte ein neues KI-Modell namens RetiPhenoAge, das das biologische Alter der Netzhaut anhand standardmäßiger Augenbilder schätzt. Die Analyse umfasste über 500 Teilnehmer aus Gedächtniskliniken in Singapur und zeigte, dass ein höheres RetiPhenoAge-Wert mit einem um 25 bis 40 Prozent erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigung oder Demenz innerhalb von fünf Jahren korrelierte. Diese Ergebnisse wurden in einer umfassenderen Studie mit über 33.000 Teilnehmern aus dem UK Biobank bestätigt, wo ein ähnlicher Zusammenhang über einen Zeitraum von zwölf Jahren nachgewiesen wurde – was die Übertragbarkeit des Biomarkers auf verschiedene Bevölkerungsgruppen unterstreicht. Die Forscher fanden zudem, dass die Netzhautalterung mit zentralen biologischen Prozessen der Neurodegeneration verknüpft ist: MRT-Scans des Gehirns und Blutmarker zeigten, dass RetiPhenoAge Veränderungen im Gehirn und altersbedingte Proteine im Blut widerspiegelt. Dies macht die Netzhaut zu einem nicht-invasiven Spiegel für die Gehirngesundheit. Die Methode nutzt bestehende Bildgebungstechnologien, die bereits in vielen singapurischen Polikliniken verfügbar sind, was die Integration in routinemäßige Gesundheitsuntersuchungen erleichtert. Prof. Cheng betont, dass RetiPhenoAge Ärzten ermögliche, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren – noch vor Symptomen – und gezielte Präventionsmaßnahmen einzuleiten. Prof. Chen sieht darin eine kostengünstige, skalierbare Lösung für die globale Demenzepidemie und plädiert für die Einführung in die allgemeine Gesundheitsvorsorge. Die Mitautoren Dr. Sim Ming Ann und Assistentprofessor Tham Yih Chung hoffen, dass die Erkenntnisse die klinische Versorgung verbessern und frühzeitige Interventionen ermöglichen. Die Forscher arbeiten nun an der Validierung des Biomarkers in diversen asiatischen und internationalen Populationen und untersuchen, ob RetiPhenoAge zur Überwachung von Therapieeffekten bei Lebensstiländerungen oder Medikamenten eingesetzt werden kann. Die Technologie könnte künftig ein zentrales Instrument in der Früherkennung von Demenz werden. Bewertung durch Experten: Industrieexperten sehen in RetiPhenoAge einen Meilenstein für digitale Biomarker. Die Kombination aus KI, nicht-invasiver Bildgebung und skalierbarer Anwendung macht die Methode besonders vielversprechend für die Prävention. Unternehmen wie Google Health und IBM Watson haben bereits ähnliche Ansätze erforscht, doch die Singapurer Studie ist die erste, die eine direkte klinische Validierung in einer asiatischen Population zeigt. Die Arbeit unterstreicht, dass Augenuntersuchungen mehr als nur Sehprobleme diagnostizieren können – sie könnten zur Routinevorsorge für Gehirngesundheit werden. Die klinische Umsetzung hängt nun von weiteren Studien und regulatorischen Genehmigungen ab, aber die Grundlage für eine Revolution in der Demenzfrüherkennung ist gelegt.

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