KI erstellt kostenlose Datenbank aller US-Gemeindegesetze
Forschende der University of California, Berkeley, haben mit künstlicher Intelligenz und Data-Science-Methoden eine umfassende, kostenlose Datenbank für lokale Gesetze aus allen 50 US-Bundesstaaten erstellt. Das Open-Access-Projekt sammelt und standardisiert Millionen individueller Satzungen und Verordnungen, die zuvor verstreut auf behördlichen Websites, in proprietären Systemen oder als schwer zugängliche PDF-Dokumente vorlagen. Das Projekt wird von Diag Davenport, Assistenzprofessor für Technologiepolitik und Regierungsführung an der Berkeley Goldman School of Public Policy, geleitet. Nach ersten konzeptionellen Überlegungen vor rund sechs Jahren zur Analyse systematischer Verzerrungen im Rechtsgefüge stieß das Team zunächst auf strukturelle Hürden. Der operative Durchbruch gelang etwa ein Jahr später durch den Einsatz fortschrittlicher KI-Pipelines. Um die nahezu 7 Millionen Seiten unstrukturierter Dokumente maschinenlesbar aufzubereiten, kombinierten die Forschenden unter anderem das optische Zeichenerkennungsmodell LightOnOCR zur Extraktion von Text und Struktur sowie KI-Modelle von OpenAI zur automatischen Klassifizierung und Indexierung. Der rechenintensive Datenprozess ermöglicht es nun, lokale Regelungen flächendeckend zu durchsuchen und vergleichend zu analysieren. Die Veröffentlichung der Datenbank im Juni hat bereits erste Folgeentwicklungen ausgelöst. Entwickler und technisch versierte Nutzer können die Datensätze nutzen, um spezialisierte Chatbots für bestimmte Rechtsgebiete zu trainieren. Ein unmittelbares Anwendungsfeld ist die Bauwirtschaft: Projektentwickler lassen sich so beispielsweise die unterschiedlichen Bauvorschriften zwischen benachbarten Gemeinden schnell vergleichen und präziser in Kalkulationen einbeziehen. Für Journalist:innen, Politikberater:innen und die Allgemeinheit bietet die Ressource eine bislang unmögliche Transparenz in der lokalen Gesetzgebung. Sie ermöglicht die Untersuchung von Regulierungsmustern, die Bewertung der Verständlichkeit von Texten sowie die Analyse regionaler Unterschiede in der Durchsetzung. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Projekts wurde kürzlich für die renommierte Konferenz Conference on Neural Information Processing Systems (NeurIPS) angenommen und wird im Dezember präsentiert. Davenport beschreibt die Datenbank als ein neues Beobachtungsinstrument für Governance-Strukturen. Die langfristige Vision sieht vor, dass alle auf den Daten aufbauenden Tools kostenlos und öffentlich zugänglich bleiben. Dadurch soll die Nachvollziehbarkeit lokaler Gesetze erhöht, die Effizienz der Verwaltung verbessert und die Grundlage für evidenzbasierte politische Entscheidungen sowie die Identifikation struktureller Ungleichbehandlungen geschaffen werden. Mit dieser Initiative wird ein fundamentales Fundament für die datengestützte Analyse des US-amerikanischen Gemeinderechts gelegt.
