Teradata friert Gehälter ein
Cloud-Softwareanbieter Teradata hat im Januar seinen Mitarbeitern mitgeteilt, auf jährliche Gehaltserhöhungen für das Geschäftsjahr 2026 zu verzichten. CEO Steve McMillan begründete die Entscheidung in einer internen Mitteilung mit der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens auf künstliche Intelligenz. Die zuvor für Personalieanpassungen eingeplanten Mittel sollen stattdessen in den Aufbau von KI-Kompetenzen und die Integration entsprechender Technologien fließen. Die Maßnahme gilt weltweit für Standorte, an denen keine gesetzlichen Lohnanpassungen vorgeschrieben sind. Mitarbeiter können weiterhin leistungsabhängige Boni und Aktienanteile erhalten. Teradata ist damit das zweite bekannt gewordene Technologieunternehmen, das KI-Investitionen explizit vorrangig vor der Personalentwicklung priorisiert. Der Dienstleister TTEC pausierte bis Ende 2026 die Arbeitgeberzuschießungen zu Rentenfonds, um KI-Tools und Schulungen zu finanzieren. Diese transparente Kommunikation markiere einen deutlichen Wandel in der Unternehmensführung, betont die Arbeitsmarktforscherin Jennifer Moss. Die Offenlegung von Einsparungen als KI-fördernde Maßnahme mache solche Schritte strategisch durchführbarer, auch wenn sie die Arbeitnehmerbeziehungen belastet. Der branchenweite Trend zu massiven KI-Ausgaben ist durch wirtschaftlichen Druck getrieben. Eine aktuelle Erhebung der RBC Capital zeigt, dass neunzig Prozent der befragten IT-Entscheider ihre KI-Investitionen im kommenden Jahr erhöhen wollen. Gleichzeitig kämpfen viele Konzerne mit sinkenden Umsätzen, Inflation und Lieferkettenengpässen. Teradata verzeichnete zuletzt einen rückläufigen Gesamtumsatz von fünf Prozent, TTEC von rund drei Prozent. Trotz steigender KI-Kosten bleiben die tatsächlichen Ausgaben für KI-Projekte nach Schätzungen des BCG meist unter zwei Prozent des Jahresumsatzes. Experten weisen darauf hin, dass die Kürzung von Personalbudgets eine strategische Wahl und keine zwingende Notwendigkeit darstellt. Alternativfinanzierungen ließen sich über Kreditlinien, den Abbau nicht strategischer Ausgaben, Zeitstaffelung von Investitionen oder Akquisitionen realisieren. Alphabet hat beispielsweise die Ausgabe von Aktien in Höhe von 80 Milliarden Dollar zur Infrastrukturfinanzierung angekündigt. Die Verschiebung der Machtbalance zuungunsten der Belegschaft zeigt sich nicht nur bei Lohnkürzungen, sondern auch bei umfassenden Umstrukturierungen. Unternehmen wie Meta, Salesforce, Cisco und Uber verknüpfen KI-Effizienzgewinne explizit mit Stellenabbau und eingefrorenen Neueinstellungen. Teradata reduzierte seine Belegschaft seit Dezember 2023 um über 21 Prozent. Arbeitsrechtsexpertin Ellen Raim warnt vor einer reinen Kostenlogik im Personalmanagement. Die instrumentelle Behandlung von Mitarbeitern als kapazitätsorientierte Kostenposition untergrabe das Vertrauen genau in jenem Zeitraum, in dem die Belegschaft zur Akzeptanz und Mitgestaltung neuer KI-Systeme nötig sei. Ökonom Jan-Emmanuel De Neve von der Oxford University stuft die aktuelle Praxis als kurzfristiges Kalkül ein, das die Sicherheit der Arbeitnehmer zugunsten einer technologiezentrierten Positionierung opfert. Angesichts dieser Entwicklung stehen Technologieunternehmen vor der Herausforderung, strategische KI-Transformationen mit einer nachhaltigen Unternehmenskultur in Einklang zu bringen, ohne die operative Produktivität und die Motivation der Belegschaft zu gefährden.
