Brain Mapping sucht nach Ursachen für Parkinson
Das Allen Institute, ein in Seattle ansässiges Forschungszentrum, das für seine umfassenden biowissenschaftlichen Studien bekannt ist, hat die Pläne für das „Brain Health Accelerator" vorgestellt. Dieses ehrgeizige Vorhaben zielt darauf ab, die Ursachen von neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Huntington, amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Alzheimer auf zellulärer Ebene zu entschlüsseln. Das Projekt läuft über einen Zeitraum von 14 Jahren mit einem Budget von 200 Millionen US-Dollar, was mehr als doppelt so hoch ist wie das der bisherigen Studie zum Alzheimer-Atlas in Seattle. Die Initiative wird molekulare Technologien einsetzen, um postmortales Gewebe von Tausenden menschlichen Gehirnen zu analysieren, sowohl von gesunden Spendern als auch von Patienten mit den genannten Krankheiten. Ein wesentlicher Aspekt ist die Erweiterung der bisherigen Forschung, die sich oft auf proteinbedingte Ablagerungen wie Amyloid und Tau konzentrierte. Laut Ed Lein, dem Leiter des neuen Vorhabens, soll durch die detaillierte Kartierung betroffener Zelltypen und neuronaler Schaltkreise frühzeitige Eingriffsmöglichkeiten identifiziert werden, die möglicherweise für mehrere Erkrankungen gleichermaßen relevant sind. Zusätzlich zum menschlichen Gehirn werden auch Karten für nichtmenschliche Primaten erstellt, um zu bestimmen, welche Zelltypen zwischen Menschen, Primaten und Mäusen übereinstimmen. Diese präzisere Übereinstimmung der Gehirnschaltkreisse zwischen Spezies soll das Risiko für Arzneimittelentwickler senken, die neue Therapien oder Gentherapien für bestimmte Zelltypen testen wollen. Ed Lein prognostiziert, dass diese Arbeit innerhalb von fünf Jahren zu ersten klinischen Studien am Menschen führen könnte. An dem Konsortium sind 28 Institutionen beteiligt, darunter Universitäten und gemeinnützige Organisationen, die sich auf verschiedene Krankheiten spezialisieren haben. Die Auswertung der enormen Datenmengen, die durch die molekulare Analyse des Spendergewebes entstehen, wird stark auf Künstliche Intelligenz angewiesen sein. Kritiker und Beobachter, wie der Neurologe Bradley Boeve von der Mayo Clinic, begrüßen das Vorhaben als wichtigen Schritt, um Lücken in der Forschung aus zellulärer und netzwerkbasierter Perspektive zu schließen. Er hofft, dass dies den Weg für individuellere Behandlungen eilt. Herausforderungen bleiben bestehen. Die größte Hürde besteht darin, eine ausreichende Versorgung mit menschlichen Gehirnspenden zu gewährleisten, die mit detaillierten klinischen und bildgebenden Daten verknüpft sind. Zudem müssen die beteiligten Institutionen geschult werden, wie man das Gewebe für komplexe Analysen wie die RNA-Sequenzierung korrekt konserviert, um die Genaktivität in einzelnen Zellen zu verstehen. Trotz dieser Schwierigkeiten bleiben Experten wie John Ngai von den National Institutes of Health optimistisch. Er sieht derzeit einen Wendepunkt erreicht, an dem Forscher das Potenzial haben, praktisch jeden Zelltyp im Gehirn für therapeutische Zwecke anzusteuern.
