Altman und Ive kämpfen mit AI-Gerät, das kaum funktioniert
Sam Altman und Jony Ive, zwei der einflussreichsten Figuren der Tech-Welt, stoßen bei der Entwicklung eines neuen KI-Geräts auf erhebliche Herausforderungen. Im Mai kündigten sie gemeinsam mit der Gründung des Unternehmens IO die Entwicklung eines „revolutionären“, palmgroßen Geräts ohne Bildschirm an, das laut ihrer Vision die nächste Generation der menschlichen Interaktion mit Technologie darstellen soll – ein „dritter Kern“ jenseits von Smartphones und Laptops. Das Gerät soll Umgebungsreize wie Ton und Bild aufnehmen, kontinuierlich hören und auf Benutzeranfragen reagieren, ist aber laut einer Berichterstattung der Financial Times noch weit davon entfernt, funktionstüchtig zu sein. Kritische Probleme liegen vor allem in der Hardware- und Rechenleistung: Obwohl Unternehmen wie Amazon und Google über ausreichende Cloud-Infrastruktur für KI-Systeme verfügen, leidet OpenAI unter Engpässen bei der Bereitstellung ausreichender Rechenressourcen – selbst für ChatGPT. Diese Schwäche könnte sich nun auch auf das neue Gerät auswirken. Zusätzlich steht IO vor erheblichen Design- und Nutzbarkeitsproblemen. Das Gerät ist ständig aktiv, hört permanent mit Mikrofonen und Kamera mit, und soll dennoch intelligent entscheiden, wann es reagiert – eine technische und ethische Herausforderung. Die fehlende Kontrolle über die Reaktionslogik wirkt sich negativ auf die Benutzererfahrung aus und erzeugt massive Datenschutzbedenken. Die ständige Aufzeichnung von Umgebungsdaten, verbunden mit OpenAIs fragwürdiger Historie im Umgang mit Nutzerdaten, wirft erhebliche ethische Fragen auf. Hinzu kommt die Frage nach dem Nutzen: Warum sollte jemand ein Gerät tragen, das ständig „mitschreibt“, wenn es nicht klar ist, was es tatsächlich leistet? Die Lage ist nicht besser in der breiteren Welt der KI-Gadgets. Humane, der Hersteller des überzogenen und funktionsunfähigen Ai Pin, wurde aufgelöst und an HP verkauft. Rabbit R1, ein anderes ambitioniertes Projekt, befindet sich seit fast 18 Monaten in einer Art Dauer-Überlebensphase, trotz der Einführung eines verbesserten Betriebssystems (rabbitOS 2) und einer stärkeren Touch-Oberfläche. Beide Unternehmen hatten hohe Erwartungen geweckt, scheiterten aber an der Umsetzung. IO verfügt über mehr Ressourcen und Prestige, doch die Grundprobleme – technische Machbarkeit, Nutzbarkeit, Datenschutz und Marktnachfrage – bleiben ungelöst. In der Tat scheint die Branche noch nicht bereit für ein solches Paradigma. Die Frage ist nicht mehr nur „kann es funktionieren?“, sondern „soll es überhaupt funktionieren?“. Denn selbst mit unerschöpflichem Kapital und genialen Köpfen wie Altman und Ive bleibt das Risiko groß, dass die Vision einer ständig wachen, überall mitführenden KI-Intelligenz letztlich auf die Realität der menschlichen Angst vor Überwachung stößt. Silicon Valley hat wieder einmal versucht, eine neue Weltordnung zu erzwingen – doch diesmal könnte die Technik selbst die Grenzen der Akzeptanz zeigen.
