Allbirds KI-Sparte: CEO plant, doch ohne Mitarbeiter
Die ehemalige Schuhmarke Allbirds hat ihr Geschäftsmodell vollständig umgestellt und firmiert seit Kurzem als Smartbird. Im April vollzogen die Entwickler den strategischen Pivot zur Künstlichen Intelligenz, veräußerten die Schuhsparte für vierzig Millionen US-Dollar und sicherten sich im Anschluss zusätzliche hundert Millionen Dollar an Frischkapital. Mit diesem Kapital soll ein eigenständiges KI-Infrastrukturunternehmen etabliert werden. Seit gestern führt Nadia Carlsten als neue Chief Executive Officer das Unternehmen. Die Ingenieurwissenschaftlerin mit Promotion brachte Erfahrung aus ihrer Tätigkeit bei Amazon Web Services sowie ihrer jüngeren Führungsrolle beim europäischen Compute-Anbieter DCAI mit. Carlstens Strategie zielt auf ein spezifisches Segment des AI-Marktes ab, das bewusst auf reine Skalierung und Preiswettbewerbsfähigkeit verzichtet. Smartbird positioniert sich als Anbieter für datensouveräne, dedizierte Rechenkapazitäten. Die Kunden, vorrangig Unternehmen aus der Pharmabranche, dem Energiesektor, dem Finanzwesen sowie dem öffentlichen Dienst, benötigen direkte Kontrolle über ihre Server-Infrastruktur aus regulatorischen oder geschäftsmodellbedingten Gründen. Im Gegensatz zu Hyperskalern oder reinen Neoclouds, die über reine Arbitrage von Chip-Preisen und Token-Kosten agieren, setzt Smartbird auf sorgfältig gemanagte Bereitstellungen für einzelne Mandanten. Der Fokus liegt auf Clustern mit mehreren hundert bis tausend Prozessoren, was Flexibilität und vollständige Kontrolle über den Technologie-Stack priorisiert. Derzeit agiert das Unternehmen de facto wie ein Startup mit einer einzelnen Führungsperson und einer soliden Seed-Finanzierung. Der Aufbau einer Führungsriege und die Etablierung eines Hauptsitzes, wobei erste Planungsschritte bereits aus Amsterdam vorangetrieben werden, stehen im Mittelpunkt. Trotz der hohen Anfangsinvestitionen und einer persönlichen Vergütung von siebenhunderttausend US-Dollar sowie einem Aktienpaket im Wert von neun Millionen Dollar für die CEO, betont Carlsten, dass der Pivot kein reines Hype-Chasing darstelle. Stattdessen werde eine nachhaltige Nische bedient, in der viele Konzerne noch immer mit internen Pilotprojekten kämpfen. Die ersten KI-Compute-Cluster für zahlende Kunden sollen bis Jahresende bereitstehen. Mit dem Verkauf des alten Geschäftsmodells fiel auch der Status einer nachhaltigkeitsorientierten Gesellschaftsform, der früher ökologische und soziale Versprechen rechtlich verankerte. Der Board von Smartbird hat der neuen KI-Strategie jedoch eine langfristige Verpflichtung ausgesprochen. Die Herausforderung für das Unternehmen besteht nun darin, die gewonnene Finanzierungsstärke in eine echte Marktakzeptanz zu übersetzen und sich gegen etablierte Infrastrukturhersteller zu behaupten. Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob Smartbird seine Versprechen bezüglich Agilität und Datensouveränität in zuverlässige, skalierbare Dienste umsetzen kann.
