Silicon-Valley-Start-up fördert grundlegende Forschung ohne Hürden
Im April trat ein neues Silicon-Valley-Projekt in die Öffentlichkeit: Episteme, eine von Sam Altman von OpenAI und Masayoshi Son von SoftBank finanzierte Forschungseinrichtung ohne konkreten Produktplan oder Geschäftsmodell. Mit einem gut ausgestatteten Labor in San Francisco unterstützt das Unternehmen 15 Wissenschaftler in Bereichen wie Künstliche Intelligenz und Biotechnologie – frei von Druck, Fördermittelanträgen oder Publikationspflichten. CEO Louis Andre, ein ehemaliger Startup-Experte mit Hintergrund in Neurowissenschaft und Informatik, vertritt die Überzeugung, dass bahnbrechende, gewinnbringende Innovationen aus grundlagenorientierter Forschung entstehen können, wenn Wissenschaftler unabhängig von kurzfristigen Zielen arbeiten können. „Gewinn sollte eine Nebenwirkung sein“, sagt er. Episteme ist inspiriert von früheren Großunternehmenlaboren wie Bell Labs oder Xerox PARC, die transformative Erfindungen wie den Transistor oder den Laser hervorbrachten. Doch anders als damals legt Episteme Wert auf „Theorie des Wandels“ statt auf bisherige Publikationsleistungen und fördert experimentelle Risiken sowie Pivotmöglichkeiten. Dennoch bleibt die Skepsis groß. Vergleichbare Initiativen scheiterten bisher: Der „Fast Grants“-Fonds von Tyler Cowen und Patrick Collison während der Pandemie führte zu Publikationen, aber nicht zu entscheidenden medizinischen Durchbrüchen. Auch Arena BioWorks, eine 2024 gegründete Biotech-Initiative mit 500 Millionen Dollar aus Privatkapital und Spitzenverträgen, ging letzten Monat pleite. Experten wie Pae Wu von IndieBio weisen darauf hin, dass grundlagenorientierte Forschung oft langfristig wirkt und nicht immer maximale Rendite bringt – genau das, was staatliche Förderung übernehmen sollte. Studien belegen, dass öffentliche Forschungsförderung langfristig größere wirtschaftliche Effekte hat: Eine Analyse aus dem Jahr 2013 ergab Produktivitätsrenditen von 55 % bei kombinierter öffentlicher und privater Forschung, nur 21 % bei rein privater Finanzierung. Eine aktuelle Studie von Andrew Fieldhouse zeigt sogar Renditen von 140 bis 210 % für öffentliche Nicht-Verteidigungsforschung. Über 80 % der wichtigsten Medikamente stammen aus öffentlich finanzierten Projekten – mit durchschnittlich 32 Jahren zwischen Entdeckung und Markteinführung. Die romantisierte Vorstellung von Unternehmenslaboren als Innovationsmotoren ist zudem überzogen: Während in den 1950er Jahren mehr als 80 % der Unternehmen Forschungslabore hatten, haben diese heute eher einen Entwicklungsschwerpunkt (D) statt Forschung (R). Wie Ökonom Ashish Arora betont, waren viele Unternehmen eher Nachahmer als Erfinder. Trotzdem bleibt Episteme als Experiment wichtig – besonders, wenn es gelingt, Lücken zwischen staatlicher und privater Forschungsförderung zu schließen. Fieldhouse sieht darin eine Chance für die US-Wirtschaft. Ob Episteme diesen Weg gehen kann, hängt von seiner Fähigkeit ab, langfristige Wirkung zu erzeugen – trotz der Druckmittel von Investoren wie Altman. Für Andre ist das Projekt ein Experiment im Sinne von Lernen durch Handeln. Ein Profit wäre zwar schön, doch der wahre Erfolg wäre, neue Wege für grundlagenorientierte Forschung zu eröffnen – auch wenn sie Jahre dauern.
