Amodei für KI-Jobplan
In jüngerer Zeit hat Dario Amodei, CEO von Anthropic, in einem neu veröffentlichten Politikpapier eine scharfe Warnung ausgesprochen: Künstliche Intelligenz könnte zu „signifikanten und anhaltenden Arbeitsplatzverlusten“ führen, wobei diese Auswirkungen möglicherweise keine vorübergehenden Schmerzen im Reifeprozess der Technologie darstellen, sondern ein inhärentes Merkmal der KI-Technologie sind. Laut Amodei besteht trotz der Bemühungen der Branche, die durch den technologischen Wandel verursachten Schocks abzufedern, eine „ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit“, dass KI strukturelle und langfristige Verluste am Arbeitsmarkt verursacht. Er sieht dies als unvermeidliches Ergebnis dessen, dass KI-Systeme grundsätzlich menschliche kognitive Fähigkeiten weitreichend nachbilden. Mit anderen Worten sei das kein „Bug“, sondern ein „Feature“ des Erfolgs dieser Technologie. Amodei hatte bereits zuvor ähnliche Warnungen geäußert und behauptet, KI könne innerhalb der nächsten fünf Jahre die Hälfte aller Einstiegsjobs für Büroangestellte eliminieren und die Arbeitslosenquote auf 10 bis 20 Prozent treiben, woraufhin er Unternehmen und politische Entscheidungsträger aufforderte, dieses Risiko nicht länger zu beschönigen. Das nun vorgelegte Politikpapier konzentriert sich stärker darauf, wie Regierungen reagieren sollten, falls es zu dauerhafter Arbeitslosigkeit kommt. Seine Vorschläge gliedern sich in zwei Bereiche: Schadensbegrenzung und Gewinnteilung. Konkret umfasst dies den Aufbau eines umfassenderen statistischen Systems zur Erfassung der Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt, Lohnversicherungen für Arbeitnehmer, deren Gehälter aufgrund technischer Veränderungen zwangsweise gesenkt wurden, die Beibehaltung steuerlicher Anreize für Unternehmen, Mittelzuweisungen für berufliche Weiterbildung sowie die Ausweitung von Mechanismen zur besseren Passgenauigkeit bei Stellenangeboten. Falls AI tatsächlich den Bedarf an menschlicher Arbeit dauerhaft reduziert, könnten Regierungen langfristig Einkommensunterstützungsmaßnahmen erwägen, etwa die Finanzierung einer bedingungslosen Grundsicherung (Universal Basic Income, UBI) durch Steuern auf betroffene Unternehmen oder höhere Kapitalertragsteuern, sowie Ansätze zur Umverteilung von Vermögen wie ein „universelles Kapitalkonto“. Bemerkenswert ist, dass jüngst mehrere Führungskräfte aus der KI-Branche, darunter Amodei und OpenAI-CEO Sam Altman, ihre Rhetorik angepasst haben und Produktivitätssteigerungen sowie neue wirtschaftliche Chancen eher betonen als vor Arbeitslosigkeit zu warnen. Medien weisen darauf hin, dass dies mit dem bevorstehenden Börsengang dieser Unternehmen zusammenhängt. In seinem Papier räumt Amodei zwar ein, dass Anthropic dabei hilft, Unternehmen dazu zu befähigen, „mit ihren bestehenden Teams mehr zu leisten“, betont jedoch zugleich, dass Gesellschaften Pläne erstellen müssen, um sicherzustellen, dass Arbeitnehmer, die vom KI-Wachstum möglicherweise automatisch ausgeschlossen bleiben, profitieren können.
