Chatbots stören Screenings
Eine aktuelle Untersuchung der University of Surrey warnt davor, dass aufgedrängte KI-Chatbots Patienten von Vorsorgeuntersuchungen abhalten könnten. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Lingua, analysiert die Interaktionen mit Asa, einem generativen KI-Empfangschef, der über WhatsApp Terminbuchungen für zervikale Krebsvorsorge im NHS koordiniert. Der Feldversuch fand an einer Praxis in Islington, Nordlondon, statt. Die Forschung basierte auf Patienteninterviews sowie einer Umfrage unter 300 vorsorgeberechtigten Personen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Kommunikationsstrategie einer Gesundheits-KI ebenso entscheidend ist wie ihre funktionale Leistung. Nutzer reagierten positiv auf einen freundschaftlichen, wählorientierten Tonfall und die Integration in bestehende digitale Gewohnheiten. Zudem erleichterte eine benannte, weiblich präsentierte KI das Eingehen auf sensible Themen, etwa Absagen aufgrund physiologischer Umstände. Kritische Reibungspunkte zeigten sich jedoch bei der Häufigkeit der Interaktion und der Gestaltung der KI-Persönlichkeit. Follow-up-Nachrichten innerhalb von 24 Stunden wurden als aufdringlich empfunden. Imperative Formulierungen lösten bei vielen Patienten, insbesondere bei psychischen Belastungen oder pflegebedürftigen Angehörigen, Agitationsgefühle aus. Ein zentrales Manko betraf die ethischen Implikationen: Patienten äußerten Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und das Verschleiern der Grenze zwischen Mensch und Maschine. Die Aussage des Chatbots, man könne mit ihm wie mit einer realen Person chatten, wirkte auf viele verdächtig statt vertrauenserweckend. Dr. Doris Dippold, leitende Autorin und Professorin für interkulturelle Kommunikation an der University of Surrey, betont, dass Anthropomorphisierung nicht pauschal vorteilhaft sei. Menschliche Züge könnten zwar Rapport aufbauen, kollidierten sie jedoch mit dem medizinischen Erwartungshorizont an Transparenz, untergräben sie genau das Vertrauen, das die Technologie etablieren wolle. Vor dem Hintergrund eines um 5,3 Prozent gesunkenen Teilnahmeprogramms für zervikale Vorsorge in den Jahren 2023 bis 2024, bei dem Minderheitengruppen weiterhin unterrepräsentiert sind, trägt die Forschung besondere Relevanz. Der untersuchte Standort in Islington bedient eine sozial benachteiligte und kulturell vielfältige Gemeinde, was barrierefreie und vertrauenswürdige Kommunikation zu einem zentralen Versorgungsziel macht. Die Studie leitet klare Gestaltungsrichtlinien für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen ab. Respekt, emotionale Unterstützung und transparente Funktionsweise sind keine optionalen Extras, sondern Grundvoraussetzungen für die Akzeptanz digitaler Gesundheitsangebote. Sollte Patienten durch aufdringliche oder intransparente Systeme das Vertrauen entzogen werden, drohe ein kompletter Abbruch der Versorgungsbindung. Damit unterstreicht die Forschung die Notwendigkeit, KI-Interaktionen konsequent an den Bedürfnissen der Patienten auszurichten, um langfristige Teilnahmequoten zu sichern.
