Zu viel AI gefährdet Selbstvertrauen und Karriere
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen wird zunehmend als treibende Kraft für Effizienz und Produktivität gefeiert – doch laut Mehdi Paryavi, CEO der International Data Center Authority, birgt er auch eine unterschätzte Gefahr: eine langsame, aber nachhaltige Schwächung der persönlichen Kompetenz und des Selbstvertrauens von Arbeitnehmern. Paryavi warnt vor einer „stillen kognitiven Erosion“, die durch übermäßigen und schlecht gestalteten KI-Einsatz entsteht. Während KI offensichtlich dazu beiträgt, Berichte schneller zu erstellen, Analysen zu beschleunigen und Projekte zu beschleunigen, führt ihre ständige Nutzung dazu, dass Mitarbeiter zunehmend auf ihre eigenen Fähigkeiten verzichten. „Wenn du glaubst, dass KI besser schreibt und intelligenter denkt als du, verlierst du dein Vertrauen in dich selbst“, sagt Paryavi. Dieser Verlust an Selbstbewusstsein führt schnell zu einer Abhängigkeit, bei der Arbeitnehmer nicht mehr eigenständig analysieren, argumentieren oder kreativ denken, sondern sich auf KI-Outputs verlassen. Ein Bericht des Work AI Institute, erarbeitet mit Forschern von Universitäten wie Harvard, Notre Dame und UC Santa Barbara, bestätigt diese Entwicklung: Obwohl Mitarbeiter durch KI das Gefühl haben, produktiver und kompetenter zu sein, nimmt ihre grundlegende Fähigkeit, komplexe Probleme eigenständig zu lösen, ab. Besonders gefährdet sind junge Fachkräfte, die ihre beruflichen Grundlagen noch nicht festigen konnten. Sie fallen leichter auf den „Illusionseffekt“ der KI herein – sie erscheinen kompetent, weil KI ihnen hilft, aber erwerben keine tiefgreifenden Fähigkeiten. Paryavi betont, dass Geschwindigkeit nicht gleichbedeutend mit echter Produktivität ist. KI-Output mag professionell klingen, fehlt aber oft an Tiefe, Kontext und kritischer Reflexion, die aus jahrelanger Erfahrung entstehen. Um diese Entwicklung zu verhindern, plädiert Paryavi für einen differenzierten KI-Einsatz. Unternehmen sollten KI nicht pauschal allen Mitarbeitern zur Verfügung stellen, sondern anhand der jeweiligen Berufsfunktionen anpassen. KI sollte nicht ersetzen, sondern unterstützen – vor allem am Anfang des Prozesses, wo kreatives Denken und strategische Vision zählen, und am Ende, wo menschliche Qualitätskontrolle entscheidend ist. „Die menschliche Instanz muss die KI prüfen, nicht umgekehrt“, betont er. KI wird Jobs nicht automatisch eliminieren, aber ohne bewusste Grenzen könnte sie die Kernkompetenzen untergraben, auf denen Karrieren aufgebaut werden. Industrieexperten sehen die Warnung als dringend notwendig. „Wir stehen vor einer neuen Form von Abhängigkeit – nicht von Hardware, sondern von Denkmustern“, sagt Rebecca Hinds vom Work AI Institute. Die Herausforderung sei, KI als Werkzeug zu nutzen, ohne die eigene kognitive Unabhängigkeit zu opfern. Paryavi zufolge ist die Frage nicht, wie viel Technologie wir nutzen können, sondern wie viel wir tatsächlich brauchen – und wo wir Grenzen setzen müssen, um menschliche Intelligenz nicht zu untergraben. Die International Data Center Authority ist ein führendes Beratungsunternehmen für die Entwicklung von Dateninfrastrukturen, die KI-Anwendungen unterstützen. Paryavis Warnung richtet sich nicht gegen KI selbst, sondern gegen deren unkritische und einseitige Integration in den Arbeitsalltag. Ein ausgewogener Ansatz, der menschliche Urteilskraft bewahrt, könnte die Zukunft der Arbeit nachhaltig gestalten.
