Gemini zieht bei Traffic stark auf, ChatGPT verliert an Fahrt
Die jüngsten Web-Verkehrsdaten von ChatGPT und Gemini, basierend auf Similarweb, zeichnen ein alarmierendes Bild für OpenAI. Obwohl ChatGPT weiterhin die Marktführerschaft in der KI-Branche hält, gewinnt Google mit seinem neuen Modell Gemini 3 Pro deutlich an Dynamik. Im November 2023 lancierte Google die erste Version der Gemini-3-Serie, die mit verbesserten Fähigkeiten in visueller Kreativität, Codeerstellung und multimodaler Verarbeitung auffiel. Seitdem verzeichnete Gemini eine beeindruckende Zunahme der Web-Aufrufe: Im Dezember stieg der Verkehr um 28,4 % im Vergleich zum Vormonat, während ChatGPT mit einem Rückgang von 5,6 % zu kämpfen hatte. Laut Similarweb wuchs die jährliche Web-Verkehrssteigerung von ChatGPT um 49,5 %, während Gemini mit 563,6 % eine nahezu explosive Entwicklung zeigte. In Dezember erreichte ChatGPT 5,5 Milliarden Besucher, Gemini 1,7 Milliarden – alle anderen KI-Plattformen wie DeepSeek, Grok, Character.AI, Perplexity und Claude lagen unter 400 Millionen. Die Zahlen berücksichtigen nur den direkten Traffic zu den Webseiten chatgpt.com und gemini.google.com, nicht jedoch die Nutzung der mobilen Apps oder tiefgreifende Integrationen, wie Google AI Overviews in der Suchmaschine – ein entscheidender Vorteil für Google, da es bereits über eine billionenfach genutzte Plattform verfügt. OpenAI muss Nutzer dazu überzeugen, eine separate KI-Plattform aufzusuchen, während Google seine KI nahtlos in den täglichen Suchprozess integriert. Dieser strategische Vorteil wurde durch den Erfolg von Gemini 3 deutlich sichtbar und löste bei OpenAI eine interne „Code-Red“-Reaktion aus. CEO Sam Altman soll in einem internen Slack-Chat die Priorisierung von ChatGPT und die Verschiebung anderer Projekte angeordnet haben. Obwohl Altman später betonte, dass die „Code-Red“-Phase „nicht mehr lange“ anhalten werde und Gemini 3 keine so gravierende Bedrohung darstelle wie befürchtet, räumte er ein, dass das Modell Schwächen in OpenAIs Produktstrategie aufgedeckt habe – insbesondere im Bereich der visuellen Kreativität und Integration – und diese schnell angegangen würden. Parallel dazu intensiviert sich auch der Wettbewerb im Bereich der KI-Bildgenerierung: Kurz nach der Einführung von Googles Nano Banana Pro stellte OpenAI ChatGPT Images vor. Die Daten zeigen, dass der Wettbewerb nicht nur um die Leistung, sondern auch um Nutzererfahrung, Integration und Marktdurchdringung geführt wird. Google nutzt seine dominante Position in der Suchmaschinenwelt, um KI in den Alltag zu bringen, während OpenAI auf die Entwicklung einer eigenständigen, starken Nutzerbasis setzt. Die Zahlen von Similarweb sind kein endgültiges Urteil, aber sie signalisieren eine klare Trendwende: Die KI-Rennbahn wird enger, und OpenAI muss schneller reagieren, um seine Führungsposition zu sichern. Industrieanalysten sehen in der Entwicklung eine wichtige Wende: „Google nutzt nicht nur technologische Fortschritte, sondern seine Infrastruktur und Nutzerbasis als strategisches Arsenal“, sagt ein Experte von Menlo Ventures. „OpenAI muss jetzt nicht nur besser werden, sondern auch anders denken – weniger als reinen KI-Chatbot, mehr als integrierte Plattform.“ OpenAI bleibt technologisch führend, aber der Erfolg hängt zunehmend von der Fähigkeit ab, KI in bestehende Nutzererfahrungen einzubetten – eine Herausforderung, die Google mit seiner Suchdominanz deutlich besser meistert.
