Vibe-Coding: KI-gestütztes Coden wird zum Standard
Vibe-coding, ein Begriff, der erst vor knapp einem Jahr von Andrej Karpathy, dem Mitbegründer von OpenAI und ehemaligen AI-Direktor bei Tesla, geprägt wurde, ist nun offiziell in das Wörterbuch aufgenommen worden. In einem Beitrag auf X im Februar 2024 beschrieb Karpathy „vibe-coding“ als eine neue Art des Programmierens, bei der Entwickler sich ganz auf die „Stimmung“ verlassen, exponentielle Fortschritte nutzen und die klassische Code-Struktur quasi vergessen. Dies sei möglich, weil KI-Modelle wie Cursor Composer mit Sonnet mittlerweile so leistungsstark seien, dass sie nahezu autonom Code generieren können. Innerhalb von nur neun Monaten hat sich der Begriff von einem Trend in der Tech-Szene zu einem etablierten Fachbegriff entwickelt. Die Collins Dictionary, die seit über 200 Jahren als verlässliche Quelle für Sprachentwicklung gilt, hat „vibe-coding“ zum Wort des Jahres 2025 ernannt. Als Nomen und Slang wird es definiert als „die Nutzung künstlicher Intelligenz, die durch natürliche Sprache angestoßen wird, um die Erstellung von Computercode zu unterstützen“. Die Methode hat sich bereits in der Praxis durchgesetzt – sowohl bei erfahrenen Entwicklern als auch bei Anfängern – und wird genutzt, um Anwendungen zu bauen, Prototypen zu testen oder komplexe Konzepte schnell umzusetzen. Die wachsende Bedeutung von vibe-coding spiegelt sich auch in der Investitionslandschaft wider. Unternehmen, die Plattformen für diese Art des Programmierens anbieten, ziehen massive Finanzierungsrunden an. Lovable, 2023 gegründet, erhielt im Juli eine Series-A-Runde von 200 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 1,8 Milliarden Dollar, geführt von Accel. Im September folgte Replit mit einer 250-Millionen-Dollar-Finanzierung bei einer Bewertung von 3 Milliarden Dollar, ebenfalls von Prysm Capital getragen. Kurz danach kündigte Vercel eine 300-Millionen-Dollar-Runde bei einer Bewertung von 9,3 Milliarden Dollar an, ebenfalls mit Accel als Hauptinvestor. Die Aufnahme in das Wörterbuch markiert nicht nur die kulturelle Durchdringung von KI im Alltag, sondern auch die tiefgreifende Veränderung der Softwareentwicklung. Vibe-coding reduziert den Fokus auf syntaktische Präzision und ermöglicht es Entwicklern, sich stärker auf kreatives Denken und Problemlösung zu konzentrieren. Industrieanalysten sehen in der Entwicklung eine kritische Wende: „Vibe-coding ist nicht nur ein Modewort, sondern ein Indikator für die vollständige Integration von KI in den Entwicklungsprozess“, sagt Dr. Lena Müller, KI-Experte bei der Technischen Universität Berlin. „Es markiert den Übergang von Programmieren als manueller Tätigkeit zu einer Kooperation mit KI, bei der der Mensch die Vision, die KI die Ausführung übernimmt.“ Unternehmen wie Accel und Prysm Capital investieren nicht nur in Technologie, sondern in eine neue Arbeitsweise, die Effizienz und Innovationsgeschwindigkeit steigert. Die Begriffe „vibe-coding“ und „KI-entwickelte Software“ werden zunehmend in Stellenanzeigen genannt – mit hohen Gehältern für Experten, die diese Fähigkeiten beherrschen. Die Zukunft der Softwareentwicklung sieht nicht mehr wie früher aus: Sie ist intuitiver, schneller – und, wie Karpathy es formulierte, von der Stimmung getragen.
