AI-Blase droht Marktcrash – Grantham warnt vor historischem Zusammenbruch
Der erfahrene Anleger Jeremy Grantham warnt vor einer massiven Blase im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und sieht in der derzeitigen Hype-Phase eine der größten Spekulationsblasen in der Geschichte der Finanzmärkte. In einem Gespräch im Rahmen der Podcast-Reihe „Merryn Talks Money“ erklärte der Mitbegründer von GMO, dass die KI-Entwicklung zwar eine bahnbrechende technologische Entwicklung sei, aber bereits heute von überzogenen Erwartungen und spekulativen Investitionen getragen werde. Grantham vergleicht die aktuelle KI-Blase mit früheren Technologie-Boomphasen wie den Eisenbahn- und Internet-Blasen des 19. und 20. Jahrhunderts, die zunächst enorme Kapitalzuflüsse anlockten, aber letztlich zu schweren Marktkorrekturen führten, die Wirtschaft und Anleger schwer traf. „Alle Blasen entstehen nicht aus schlechten Ideen, sondern aus wirklich bedeutenden, transformierenden Technologien“, betont er. Je größer die potenzielle Wirkung einer Technologie, desto größer die Blase, so seine These. Ein zentraler Punkt in Granthams Argumentation ist die „Eisern Gesetz“ der Marktwerte: Wenn ein Vermögenswert sich verdoppelt, halbiert sich seine zukünftige Rendite. Er warnt, dass die derzeitigen Kurse von KI-Aktien – insbesondere von Unternehmen wie Nvidia – bereits so hoch seien, dass sie zukünftige Renditen auf historisch niedrigem Niveau belassen. „Wenn Sie den höchsten Markt aller Zeiten erreichen, werden Sie auch die niedrigsten Renditen aller Zeiten haben“, sagt er. Er rechnet damit, dass der Markt letztlich wieder deutlich günstiger werden wird – und zwar nach einer möglicherweise heftigen Korrektur. Grantham sieht die aktuelle Dynamik als Folge der Einführung von OpenAI’s ChatGPT im Jahr 2023, die einen massiven Anstieg von Investitionen in KI auslöste und kurzfristig eine Wirtschaftsabschwächung abgewendet haben könnte. Dennoch kritisiert er, dass Big-Tech-Unternehmen ihre Marktmacht nutzen, um Profitmargen auf untragbare Höhen zu treiben – ein Zeichen für eine Überbewertung. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die KI-Blase nicht platzt, ist nahezu null“, sagt er. Er prognostiziert, dass Nvidia als Treiber der Branche zuerst fallen wird, gefolgt von anderen KI-Playern, bevor sich aus den Trümmern neue Marktführer erheben. Ein weiterer Faktor, der nach Grantham die Blase aufrechterhält, ist die kollektive Verhaltensdynamik der Branche: Institutionelle Anleger und Manager fürchten, durch Kritik oder Zurückhaltung hinterherzuhinken, was ihre Reputation, ihre Kunden und ihre Karriere gefährden könnte. „Sie schauen sich nervös um, aber sie tanzen weiter, solange die Musik spielt – egal, ob sie wissen, dass der Markt verrückt ist.“ Obwohl Grantham nicht allein ist – auch Michael Burry warnt vor einer KI-Blase – bleibt der US-Aktienmarkt trotz skeptischer Stimmen weiter auf dem Aufschwung. Der S&P 500 ist in den letzten fünf Jahren um rund 80 Prozent gestiegen. Kritiker wie Kevin O’Leary und Ross Gerber argumentieren dagegen, dass heute die wirtschaftliche Produktivität messbar sei und die hohen Bewertungen durch das enorme Wachstumspotenzial und die beeindruckenden Gewinnmargen von KI-Unternehmen gerechtfertigt seien. Bewertung: Granthams Warnung ist eine der konservativsten und historisch fundiertesten Stimmen im aktuellen KI-Debakel. Sein Ansatz, Blasen anhand historischer Muster zu erkennen, hat sich in der Vergangenheit bewährt. Doch die heutige KI-Ära unterscheidet sich durch eine tiefere Integration in Wirtschaft und Gesellschaft, was eine radikale Korrektur weniger wahrscheinlich macht – auch wenn die Risiken für überzogene Bewertungen real sind. Unternehmen wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet bleiben trotz aller Kritik zentrale Akteure, deren langfristige Wertschöpfung entscheidend sein könnte. Die Frage bleibt: Wird die Blase platzen – oder wird die Technologie die Erwartungen übertreffen?
