Publikum vertraut Ärzten mehr als KI, sieht aber Potenzial bei Krebsdiagnosen
Die Mehrheit der Menschen vertraut Ärzten weiterhin mehr als Künstlicher Intelligenz (KI), zeigt jedoch großes Interesse an deren Einsatz bei der Krebsdiagnose, ergab eine neue Studie. Zwei repräsentative Umfragen auf nationaler Ebene, die im Dezember auf der jährlichen Konferenz der Society for Risk Analysis in Washington, DC, vorgestellt wurden, offenbaren ein ambivalentes Verhältnis der Bevölkerung zu KI im Gesundheitswesen. Während die meisten Befragten KI-Tools wie ChatGPT nicht als alleinige Diagnosequelle für ihre Gesundheit akzeptieren würden, sehen sie erhebliches Potenzial in KI-Anwendungen, die speziell zur Früherkennung und Diagnose von Krebs eingesetzt werden. Die Studie zeigt, dass rund 70 Prozent der Teilnehmer lieber einen Arzt als eine KI zur Diagnose ihrer Erkrankung beauftragen würden. Besonders hohe Bedenken bestehen bei sensiblen medizinischen Entscheidungen, wie der Diagnose von schweren Krankheiten oder der Empfehlung von Behandlungen. Allerdings steigt das Vertrauen in KI erheblich, wenn es um spezifische Anwendungsfälle wie die Analyse von Bildgebungsdaten (z. B. Mammogramme, CT-Scans) zur Krebsfrüherkennung geht. Hier gaben über 60 Prozent der Befragten an, dass sie KI-Systeme unterstützend einsetzen lassen würden, insbesondere wenn sie die Genauigkeit und Geschwindigkeit der Diagnose verbessern. Die Forscher vermuten, dass diese Differenz im Vertrauen auf KI auf der Wahrnehmung von Expertise und Kontrolle beruht. Während KI als „neue Technologie“ mit unsichtbaren Entscheidungsprozessen wahrgenommen wird, wird ihr Einsatz in klar definierten, datenbasierten Aufgaben wie der Bildanalyse als weniger bedrohlich empfunden. Zudem wird KI oft als Werkzeug verstanden, das Ärzte unterstützen soll – nicht ersetzen. Ein weiterer zentraler Befund ist die Bedeutung von Transparenz und Kontrolle. Teilnehmer, die über die Funktionsweise von KI-Systemen informiert wurden und die Möglichkeit hatten, mit den Ergebnissen zu interagieren, zeigten deutlich mehr Akzeptanz. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, KI im Gesundheitswesen nicht nur technisch zu optimieren, sondern auch ethisch und kommunikativ zu gestalten. Industrieexperten sehen in den Ergebnissen eine Chance, KI-Systeme strategisch in die medizinische Praxis zu integrieren. „Die Bevölkerung ist nicht gegen KI, sondern gegen unklare, unkontrollierbare Technologien“, sagt Dr. Lena Müller, KI-Expertein der Charité Berlin. „Wenn KI als Assistenzsystem präsentiert wird, das Ärzte stärkt und nicht ersetzt, und wenn die Entscheidungsprozesse nachvollziehbar sind, kann sie einen echten Mehrwert schaffen – besonders bei der Krebsfrüherkennung, wo Zeit und Genauigkeit entscheidend sind.“ Unternehmen wie IBM Watson Health, Google Health und verschiedene Start-ups im Bereich medizinische Bildanalyse arbeiten bereits an KI-Tools, die die Diagnose von Krebs unterstützen. Die Studie unterstreicht, dass der Erfolg solcher Technologien nicht allein von ihrer technischen Leistung abhängt, sondern auch von der Akzeptanz durch Patienten und Ärzte – und dass diese Akzeptanz durch klare Kommunikation, ethische Standards und menschliche Kontrolle gefördert werden muss.
