Intel verzichtet auf Tick-Tock, setzt auf AI und bleibt knapp bei Chips
Intel hat auf seiner Q3-2025-Gewinnkonferenz erneut deutlich gemacht, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, die alten Zeiten der „Tick-Tock“-Strategie zurückzubringen – jener alternierenden Entwicklung von Architektur- und Prozessverkleinerung, die einst die Innovation im PC-Chip-Bereich prägte. Nach fast zwei Jahren Verlusten erzielte Intel erstmals wieder einen Gewinn, hauptsächlich dank staatlicher Förderungen, Investitionen von Nvidia und SoftBank sowie einer strategischen Neuausrichtung. Doch die Erholung bleibt begrenzt. Die aktuelle Chipproduktion leidet unter erheblichen Engpässen, die voraussichtlich im ersten Quartal 2026 ihren Höhepunkt erreichen. Infolge der knappen Kapazitäten priorisiert Intel künftig Server-Chips für künstliche Intelligenz (DCAI) gegenüber Einsteiger-Client-Chips (CCG), was zu einer leichten Rückgänge bei Verbraucherprozessoren führen wird. CEO Lip-Bu Tan kündigte an, dass Intel ab sofort jährlich neue AI-GPUs auf den Markt bringen wird – eine Abkehr von der traditionellen Produktionsrhythmik, um mit der Nachfrage nach Server-AI-Chips Schritt zu halten. Dies könnte jedoch bedeuten, dass die Entwicklung von Gaming-GPUs weiterhin auf der Strecke bleibt. Zudem wird nur eine einzige Variante des neuen Panther-Lake-Prozessors 2025 erscheinen, weitere SKUs sollen erst 2026 folgen. Der Grund: Panther Lake wird anfangs „ziemlich teuer“ sein, weshalb Intel im ersten Halbjahr 2025 weiterhin die älteren Lunar-Lake-Chips vermarkten wird, um die Nachfrage zu decken. Die 18A-Prozess-Technologie, die als Schlüssel zur Wiederbelebung von Intel’s Fertigung gilt, zeigt noch immer unzureichende Ausbeute. CFO David Zinsner räumte ein, dass die Ausbeute zwar ausreicht, um die Nachfrage zu bedienen, aber nicht hoch genug, um profitable Margen zu erzielen. Eine akzeptable Ausbeute sei erst für 2026 oder sogar 2027 zu erwarten. Trotzdem betont Intel, dass 18A eine „langfristige Plattform“ sein wird und mindestens drei Generationen von Client- und Server-Chips unterstützen soll. Die Zukunft sieht jedoch nicht ganz so düster aus: Die Entwicklung der nächsten Generation, Intel 14A, scheint vielversprechend. Kunden haben sich bereits eingeschaltet, was die Fortsetzung des Projekts sichert. Tan zeigte sich erfreut und zuversichtlich, Zinsner hob hervor, dass 14A bereits jetzt besser abschneidet als 18A zu Beginn – sowohl in Bezug auf Leistung als auch Ausbeute. Insgesamt zeigt sich Intel als Unternehmen, das sich auf die AI-Revolution konzentriert, aber noch nicht in der Lage ist, die Produktionskapazitäten und Ausbeuten zu steigern, die für eine Rückkehr zu früheren Wachstumsraten nötig wären. Die strategische Entscheidung, Ressourcen auf Server- und AI-Chips zu konzentrieren, ist verständlich, birgt aber Risiken für den Verbrauchermarkt. Branchenexperten sehen in der Neuausrichtung eine notwendige, aber langfristig riskante Strategie. Intel bleibt weiterhin ein entscheidender Akteur in der Chip-Industrie, doch die Erwartungen an eine rasche Erholung sind gebremst.
