Disney Plus: KI-generierte Videos könnten Zukunft prägen
Disney-Chef Bob Iger hat auf der vierteljährlichen Ergebnispräsentation am Donnerstag die Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) für den Streaming-Dienst Disney+ hervorgehoben. Er zeigte sich begeistert von der Technologie und erklärte, dass KI dazu beitragen könnte, die Plattform interaktiver und ansprechender zu gestalten. Insbesondere könnten Nutzer künftig kurze, selbst erstellte Videos mit Hilfe von KI-Tools erstellen und diese auch mit anderen teilen. „Es gibt phänomenale Möglichkeiten, KI in unseren Direct-to-Consumer-Plattformen einzusetzen, um die Plattformen dynamischer und nutzerfester zu machen und den Nutzern die Möglichkeit zu geben, auf unseren Plattformen zu erstellen“, sagte Iger. Er nannte dies einen Schritt, um die Nutzerbindung zu stärken und die Plattform zu einem echten Engagement-Tool zu machen. Neben der KI-gestützten Content-Erstellung erwähnte Iger, dass Disney+ künftig auch „spieleartige Funktionen“ integrieren könnte – eine Idee, die durch die jüngere Partnerschaft mit dem Spieleunternehmen Epic Games unterstützt wird. Diese Entwicklung steht im Kontext der zunehmenden Bedeutung von Interaktion und Gamification in Streaming-Diensten. Netflix hatte bereits einen ähnlichen Weg eingeschlagen, musste jedoch einige beliebte Indie-Spiele aus seinem Angebot entfernen und das Studio hinter „Squid Game: Unleashed“ schließen. Disney sieht in KI zudem die Chance, den Verkauf von Erlebnissen rund um die eigene Marke zu fördern – von Parkbesuchen und Hotelbuchungen bis hin zu Kreuzfahrten. So könnte Disney+ zu einem zentralen Ankerpunkt für die gesamte Disney-Brandschmiede werden. Doch die Euphorie um KI geht Hand in Hand mit erheblichen Risiken. Disney hat bereits im Juni gemeinsam mit NBCUniversal gegen den KI-Unternehmen Midjourney eine Klage eingereicht. Darin wirft man dem Unternehmen vor, durch seine KI-Modelle Urheberrechte verletzt zu haben, indem es unerlaubte Kopien von Werken wie „Star Wars“ oder „Die Simpsons“ generiert hat. Midjourney bestreitet die Vorwürfe. Die Klage ist noch anhängig. Iger betonte, dass Disney intensiv mit KI-Unternehmen verhandelt, um die Schutzrechte an seinen Inhalten zu sichern. Er hofft, dass sich die Branche oder einzelne Unternehmen mit den KI-Anbietern auf verbindliche Regeln einigen können. Zusätzlich sieht Iger in KI ein Instrument zur Effizienzsteigerung in der Produktion und zur besseren Datenanalyse. Die Technologie könnte helfen, kreative Prozesse zu beschleunigen und tiefere Einblicke in das Nutzerverhalten zu gewinnen. Dabei ist Fable Studios, ein Startup, das eine KI-Streaming-Plattform entwickelt, auf der Nutzer eigene Serien mit bestehenden IP-Elementen erstellen können, in Gesprächen mit Disney. Obwohl Iger keine konkreten Namen nannte, deutet dies auf eine strategische Neuausrichtung hin, bei der Disney die Grenzen zwischen Zuschauern und Schaffenden verwischt. Gleichzeitig bleibt die Sorge um Urheberrechte und die kreative Integrität der Inhalte zentrales Thema. Insgesamt zeigt Igers Ansprache, dass Disney KI nicht nur als Werkzeug für die Zukunft der Unterhaltung, sondern als zentrales Element seiner gesamten digitalen Strategie sieht.
