Künstliche Intelligenz beschleunigt präzise Behandlungsplanung bei Gebärmutterhalskrebs
Ein neu entwickeltes KI-Tool verspricht eine signifikante Beschleunigung und Verbesserung der Behandlungsplanung bei Zervixkrebs. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich etwa 600.000 Frauen weltweit an Zervixkrebs, wobei die Krankheit rund 340.000 Todesfälle verursacht. Brachytherapie – eine Form der inneren Strahlentherapie, bei der Strahlungsquellen direkt in die Nähe des Tumors eingeführt werden – gilt als eine der wirksamsten Behandlungsmethoden für diesen Krebs. Dennoch wird sie oft nicht genutzt, da die individuelle Planung für jeden Patienten zeitaufwendig und komplex ist. Die Planung erfordert hochspezialisiertes Fachwissen und kann mehrere Stunden dauern, was die Verfügbarkeit der Therapie in Ressourcen-schwachen Regionen weiter einschränkt. Das neue KI-gestützte System nutzt tiefes Lernen, um aus medizinischen Bilddaten – insbesondere aus MRT- und CT-Aufnahmen – automatisch präzise Behandlungspläne zu erstellen. Es analysiert die Tumormorphologie, die Umgebung von gesundem Gewebe und die optimale Positionierung der Strahlungsquellen, um eine gezielte Bestrahlung zu gewährleisten. In klinischen Tests zeigte das Tool eine Planungszeit von weniger als 15 Minuten – im Vergleich zu mehreren Stunden bei traditionellen Methoden – mit vergleichbarer oder sogar besserer Genauigkeit. Besonders bemerkenswert ist, dass das System auch in Kliniken mit begrenztem Zugang zu Experten eine hochwertige Behandlungsplanung ermöglicht. Die Forschung wurde von einem internationalen Team aus Medizinern, Informatikern und Strahlentherapeuten durchgeführt und ist bereits in mehreren europäischen und nordamerikanischen Zentren im klinischen Einsatz. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die KI-gestützte Planung nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch die Konsistenz der Behandlungen erhöht und die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen verringert, da die Strahlung präziser auf den Tumor gerichtet wird. Industrieexperten sehen in diesem Fortschritt einen Wendepunkt für die Behandlung von Zervixkrebs, besonders in Entwicklungsländern, wo die Infrastruktur für Strahlentherapie oft fehlt. „Dieses Tool könnte die Brachytherapie endlich in den Mainstream bringen“, sagt Dr. Lena Müller, Strahlentherapeutin am Universitätsklinikum Heidelberg. „Es macht eine hochwertige Behandlung zugänglicher, schneller und sicherer.“ Das Unternehmen hinter der Technologie, MedAI Solutions, ist ein auf medizinische KI spezialisiertes Startup mit Sitz in München. Es hat bereits Fördermittel von der EU und der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten und arbeitet an der Zulassung durch die Europäische Behörde für Arzneimittel (EMA). Mit der zunehmenden Digitalisierung der Medizin und dem Druck auf effiziente Behandlungsprozesse könnte das Tool in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Krebsversorgung spielen.
