Muskeln und Bauchfett beeinflussen Gehirnalterung positiv
Menschen mit mehr Muskelmasse und einem niedrigeren Verhältnis aus viszeraler Fettmasse zu Muskelmasse zeigen laut einer neuen Studie Anzeichen eines jüngeren biologischen Gehirnalters. Die Ergebnisse, die nächste Woche auf dem jährlichen Treffen der Radiological Society of North America (RSNA) vorgestellt werden, basieren auf einer Analyse von 1.164 gesunden Erwachsenen (52 % Frauen) im Durchschnittsalter von 55,17 Jahren. Die Forscher nutzten Ganzkörper-MRT, um Muskelvolumen, viszerales Fett (das tief im Bauchraum um Organe lagert) und subkutanes Fett (unter der Haut) zu messen. Mit Hilfe eines künstlichen Intelligenz-Algorithmus wurde zudem das vorhergesagte Gehirnalter anhand der strukturellen MRT-Bilder ermittelt. Die Daten zeigten: Ein höheres Verhältnis von viszeraler Fettmasse zu Muskelmasse korrelierte mit einem höheren vorhergesagten Gehirnalter. Subkutanes Fett hingegen hatte keinen signifikanten Einfluss auf das Gehirnalter. Personen mit mehr Muskelmasse dagegen wiesen jüngere Gehirnstrukturen auf – ein Hinweis auf eine bessere Gehirngesundheit. Seniorautor Cyrus Raji, Professor für Radiologie und Neurologie an der Washington University School of Medicine in St. Louis, betont, dass körperliche Gesundheit und Gehirngesundheit eng miteinander verknüpft sind. „Gesündere Körper mit mehr Muskelmasse und weniger verborgenem Bauchfett sind eher mit gesünderen, jüngeren Gehirnen verbunden“, sagt er. Dies könnte das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer senken. Die Studie bestätigt, dass körperliche Biomarker wie Muskel- und Fettverteilung wichtige Indikatoren für das biologische Alter des Gehirns sind – und somit wertvolle Zielgrößen für Präventionsstrategien darstellen. Besonders relevant sind die Erkenntnisse für die Entwicklung von Therapien wie GLP-1-Agonisten (z. B. Ozempic), die effektiv Fett verlieren, aber auch Muskelabbau verursachen können. Raji weist darauf hin, dass zukünftige Medikamente gezielt viszerales Fett reduzieren und gleichzeitig die Muskelmasse schützen sollten, um die Gehirngesundheit zu optimieren. Die Kombination aus Ganzkörper-MRT und AI-gestützter Gehirnalter-Vorhersage könnte dabei helfen, optimale Dosierungsregime zu finden und die Wirksamkeit von Behandlungen zu überwachen. Industrieexperten sehen in der Studie einen wichtigen Schritt hin zu personalisierten Präventionsstrategien. Die Möglichkeit, biologisches Gehirnalter über körperliche Biomarker zu erfassen, könnte künftig in klinischen Studien und Therapieansätzen zur Verbesserung der kognitiven Gesundheit eine zentrale Rolle spielen. Unternehmen wie Novo Nordisk oder Eli Lilly, die GLP-1-Therapien entwickeln, könnten durch solche Erkenntnisse ihre Forschung auf eine gesündere Muskel-Fett-Balance ausrichten. Die Studie unterstreicht zudem die Notwendigkeit, nicht nur Gewichtsverlust, sondern auch Muskelqualität in der Behandlung von Stoffwechselerkrankungen zu berücksichtigen.
