Microsoft übernimmt Kosten für Datenzentren-Strom in USA
Microsoft hat in einer Rede am Dienstag eine umfassende Zusage gemacht, künftig die vollen Stromkosten für seine wachsende Zahl an Rechenzentren in Vororten und ländlichen Gebieten der USA zu tragen. Der Konzern will ab sofort „Strompreise zahlen, die hoch genug sind, um unsere Stromkosten zu decken“, erklärte Präsident und Vize-Vorsitzender Brad Smith. Die Zusage kommt angesichts eines historischen Anstiegs des Energiebedarfs durch künstliche Intelligenz (KI) und der steigenden Stromrechnungen für Haushalte zu einem kritischen Zeitpunkt. Die rasante Expansion der Rechenzentren belastet lokale Stromnetze und sorgt für wachsende Spannungen zwischen Technologiekonzernen, Energieversorgern und Verbraucherschützern, die um die Finanzierung neuer Infrastruktur ringen. Microsofts vierstufiger Plan sieht vor, mit Energieversorgern und Regulierungsbehörden zusammenzuarbeiten, um angemessene Preise zu etablieren, die Kosten für neue Netzausbauprojekte zu übernehmen, Energieeffizienz in den Rechenzentren zu steigern und sich auf staatlicher und federaler Ebene für zuverlässige und bezahlbare Energie einzusetzen. Die Maßnahmen sollen die Transparenz und Verantwortung der Branche stärken. Kritiker, darunter Umwelt- und Verbraucherschützer, begrüßen die Zusage zwar, warnen aber vor vagen Formulierungen. Julie Bolthouse von der Piedmont Environmental Council betont, dass die derzeitige Praxis von unüberprüften Verträgen zwischen Versorgern und Datenzentren das Planungsverfahren torpediere und die Netzsicherheit gefährde. In Virginia, wo der Energieversorger Dominion Energy Verträge für 47 Gigawatt neuer Nachfrage aushandelt – doppelt so viel wie der aktuelle Spitzenbedarf – wächst die Sorge, dass die Nachfrage nicht realisiert wird, die Kosten aber bereits anfallen. Auch der politische Druck wächst. US-Präsident Donald Trump reagierte auf die Ankündigung mit einem Post auf Truth Social, in dem er betonte: „Ich will nicht, dass Amerikaner höhere Stromrechnungen wegen Datenzentren zahlen.“ Er kündigte an, dass sein Team mit Microsoft zusammengearbeitet habe und weitere Ankündigungen von Tech-Unternehmen in Kürze erwartet würden. Die White House Press Office verweist auf den Post. Analysten wie Dan Ives von Wedbush Securities sehen in Microsofts Schritt einen Trend: Andere Tech-Riesen wie Amazon, Google und Meta werden voraussichtlich folgen, um politische und gesellschaftliche Kritik abzuwehren. Experten wie Charles Hua von Powerlines betonen, dass Datenzentren nur dann „gute Netzbürger“ sein können, wenn die Netzausbaustrategien auf Effizienz und moderne Technologien setzen – nicht auf den Bau neuer Kraftwerke. Dazu sei eine grundlegende Reform der Versorgungsregulierung nötig, die den Verbraucherinteressen wieder Vorrang einräumt. Microsofts Initiative ist ein erster Schritt, doch die Umsetzung und die langfristige Verantwortung bleiben entscheidend.
