Notion wandelt Workspace in AI-Agents-Hub
Notion hat seine Produktivitätsplattform grundlegend erweitert, um sie zu einem zentralen Hub für KI-Agenten zu machen. Bei einer Live-Übertragung am Mittwoch stellte das Unternehmen eine neue Entwicklerplattform vor, die über reine Notizfunktionen hinausgeht und Teams ermöglicht, automatisierte Arbeitsabläufe mit mehreren Schritten zu erstellen. Diese Abläufe können Daten aus jeder beliebigen Datenbank abrufen und externe KI-Agenten einbinden. Durch die Schaffung einer Orchestrierungsschicht koordiniert Notion nun KI-Arbeiten über verschiedene Tools und Datenquellen hinweg und positioniert sich als zentrale Anlaufstelle für die Zusammenarbeit von Menschen und Agenten. Schon im Februar lancierte Notion Custom Agents, also KI-Teammitglieder, die wiederkehrende Aufgaben wie das Beantworten häufiger Fragen oder das Zusammenstellen von Statusberichten übernehmen. Seitdem haben Kunden laut Unternehmensangaben über eine Million solcher Agenten erstellt. Diese ursprünglichen Agenten hatten jedoch Einschränkungen: Sie konnten nicht mit externen Datenquellen interagieren oder benutzerdefinierte Logik anwenden. Unternehmen waren daher gezwungen, auf Drittanbieter-Automatisierungsplattformen zurückzugreifen oder eigene Skripte zu schreiben. Ivan Zhao, Mitbegründer und CEO von Notion, gab in der Präsentation zu, dass die Plattform historisch gesehen nicht primär auf Entwickler ausgerichtet war, betont aber nun den Wandel. Mit dem neuen „Workers"-Feature kann Notion nun benutzerdefinierten Code bereitstellen. Kunden können ihre eigene Logik schreiben und in einer sicheren, isolierten Umgebung (Sandbox) ausführen, um Daten mit Notion zu synchronisieren, benutzerdefinierte Tools zu erstellen oder Aktionen über Webhooks auszulösen, ohne auf externe Infrastruktur angewiesen zu sein. Wer keinen Code schreiben möchte, kann stattdessen KI-Programmieragenten nutzen. Workers nutzen denselben Guthaben-Verbrauch wie Custom Agents, werden jedoch bis August kostenlos angeboten, um Experimente zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklerplattform ist die Synchronisation externer Datenquellen. Mithilfe von Workers können Daten aus beliebigen Datenbanken mit API-Anbindung, wie Salesforce, Zendesk oder Postgres, direkt in Notion-Datenbanken importiert und dort aktuell gehalten werden. Zhao bezeichnete dies als Möglichkeit, die Notion-Datenbank als leinwandartige Basis zu nutzen, um sowohl Arbeitsabläufe als auch Agenten zu steuern. Darüber hinaus ermöglicht die Plattform die Erstellung von Agenten-Tools mit benutzerdefinierter Logik, falls die Verbindung über das Model Context Protocol (MCP) nicht ausreicht. Nutzer können nun direkt mit externen KI-Agenten chatten, ihnen Aufgaben zuweisen und deren Fortschritt verfolgen, als wären sie interne Custom Agents. Zu den initial unterstützten Partner-Agenten gehören Claude Code, Cursor, Codex und Decagon, wobei weitere folgen sollen. Auch eine externe Agent-API erlaubt es Teams, firmeninterne Agenten anzubinden. Die Interaktion mit dieser neuen Entwicklerplattform erfolgt über die Notion CLI, ein Befehlszeilenwerkzeug, das für Business- und Enterprise-Pläne verfügbar ist. Diese strategische Verschiebung macht Notion zu einer programmierbaren Plattform, die sich gegen andere Automatisierungslösungen behaupten kann, da sie Agenten, benutzerdefinierten Code und Live-Daten an einem Ort vereint. Mit dem Anspruch „Jede Datenquelle, jedes Tool, jeder Agent" passt sich Notion dem breiteren Trend an, bei dem KI-Firmen über reine Chatbots hinausgehen und agentic Tools anbieten, die übergreifend Aktionen in verschiedenen Softwareumgebungen ausführen.
