Kopfhörer-Device ermöglicht stille Kommunikation mit AI
Ein tragbares Gerät namens AlterEgo, entwickelt von Arnav Kapur aus Cambridge, Massachusetts, verspricht eine neue Ära der menschlichen Interaktion mit Technologie: Statt laut „Alexa, wie spät ist es?“ zu sagen, könnte man die Worte lediglich denken. Das Gerät, das über dem Ohr sitzt, erfasst winzige elektrische Signale in den Sprechmuskeln – selbst wenn keine Lippenbewegung stattfindet – und übersetzt diese in Sprache, die dann über Knochenleitungs-Kopfhörer an den Nutzer zurückgesendet wird. Es handelt sich nicht um ein klassisches Brain-Computer-Interface, das Gehirnaktivität direkt liest, sondern um eine nicht-invasive Technologie, die die neuromuskulären Signale nutzt, die beim inneren Sprechen entstehen. So entsteht der Eindruck von „nahezu telepathischer“ Kommunikation – nur für Gedanken, die der Nutzer bewusst teilen möchte. Die Entwicklung begann 2018 am MIT Media Lab, zunächst als großer, unhandlicher Prototyp mit begrenzter Funktionalität, der nur einfache Befehle wie „Pizza bestellen“ oder Web-Suchen ausführen konnte. Mittlerweile hat das Team die KI-Modelle für Spracherkennung erheblich verbessert, das Gerät verkleinert und es als eigenständiges Unternehmen aufgezogen. Ziel ist es, die Technologie sowohl medizinisch für Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder Multipler Sklerose (MS) einzusetzen, die aufgrund von Muskelschwäche Schwierigkeiten beim Sprechen haben, als auch kommerziell für den Alltag. In klinischen Tests konnten bereits Patienten mit frühen und fortgeschrittenen Stadien von ALS über AlterEgo kommunizieren, selbst wenn ihre Muskelkontrolle stark eingeschränkt war. „Ein vollständig „eingesperrter“ Patient könnte es nicht nutzen, aber oft bleibt ein schwacher Signalrest im Sprechsystem, der ausreicht“, sagt Kapur. Allerdings bleibt die Wirksamkeit abhängig von der verbleibenden Muskelkontrolle – eine Einschränkung, die Howard Chizeck von der University of Washington betont. Er sieht die Technologie als praktikabel, besonders für frühe ALS-Stadien, aber skeptisch, ob sie sich kommerziell durchsetzen wird, da die Nutzererfahrung bisher noch begrenzt ist. Im Vergleich zu ständig lauschenden Sprachassistenten wie Alexa birgt AlterEgo geringere Datenschutzrisiken, da keine Audioaufnahmen erfolgen. Dennoch bleibt die Akzeptanz fraglich – vor allem, weil das Gerät in der Form von „Neural-Device-Streetwear“ noch als Nische wahrgenommen wird. Dennoch markiert die Entwicklung einen wichtigen Schritt hin zu natürlicher, unauffälliger Mensch-Maschine-Kommunikation. Für Mediziner könnte sie eine Lebensverbesserung für schwerstbehinderte Patienten bedeuten, während die Technologie langfristig das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie wir mit Geräten und der Welt interagieren – ohne ein Wort zu sagen.
