Kupfer erreicht bestes Jahr seit 2009 durch AI- und Energieboom
Kupfer befindet sich auf Kurs für sein bestes Jahr seit 2009, getrieben von Lieferengpässen, einem schwächeren US-Dollar, steigenden Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in China und einem explosionsartigen Anstieg der Nachfrage nach künstlicher Intelligenz (KI). Die Preise für dreimonatige Kupfer auf der London Metal Exchange (LME) stiegen am Dienstag um 1,5 % auf 12.405 US-Dollar pro Tonne, nachdem sie in der Vorwoche ein Rekordhoch von 12.960 Dollar erreicht hatten. Der Leitkontrakt ist in diesem Jahr um rund 41 % gestiegen und damit auf Kurs für die stärkste jährliche Steigerung seit 2009, als der Kupferpreis während der Erholung von der globalen Finanzkrise um über 140 % anstieg. In New York stieg der Kupferpreis seit Anfang 2025 um mehr als 40 %, was ebenfalls die stärkste jährliche Zunahme seit 2009 darstellt. Kupfer gilt als Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit, da es entscheidend für den Energietransition-Prozess ist – etwa bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen, Stromnetzen und Windkraftanlagen. Besonders die weltweite Ausweitung von Rechenzentren für KI-Anwendungen treibt die Nachfrage nach Kupfer an, da diese Infrastrukturen große Mengen des Metalls für Kabel, Stromübertragung und Kühlung benötigen. Ian Roper, Rohstoffstratege bei Astris Advisory Japan KK, betonte, dass die KI-Revolution nun die Haupttreiber für den Kupferboom sei. Während die Immobilienkrise in China die Nachfrage nach Stahl und Eisenerz gedämpft habe, sei die Kupfernachfrage trotzdem stark gestiegen – vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien und Elektromobilität. JPMorgan sieht weiteren Aufwärtspotenzial und prognostiziert für das zweite Quartal 2026 einen Durchschnittspreis von 12.500 Dollar pro Tonne und durchschnittlich 12.075 Dollar im Jahr 2026, da der KI- und Verteidigungssektor die Nachfrage weiter befeuere. Die Bank spricht von einer „bullishen“ Marktlage aufgrund knapper Lagerbestände und struktureller Lieferengpässe. Gegenläufige Prognosen kommen von Goldman Sachs Research, die Kupferpreise in der ersten Hälfte von 2026 zwischen 10.000 und 11.000 Dollar pro Tonne erwartet – trotz anhaltend hohen Wachstums in der Infrastruktur, KI und Verteidigung. Die Bank rechnet mit einem Durchschnitt von 10.710 Dollar bis Mitte 2026, projiziert aber langfristig bis 2035 einen Preis von 15.000 Dollar, was über dem Konsens der Branche liegt. Die Diskrepanz in den Prognosen spiegelt die Spannung zwischen kurzfristigen Lieferengpässen und langfristigen strukturellen Nachfrageschub wider. In der Branche wird der Kupfermarkt als zentrales Indiz für die Transformation der globalen Wirtschaft gesehen. Die steigende Nachfrage aus KI, grüner Energie und Verteidigung zeigt, dass Kupfer nicht nur ein Industriemetall, sondern ein Schlüsselrohstoff der digitalen und ökologischen Transformation ist. Die Wachstumstrends in Rechenzentren und Netzausbau sind strukturell und nicht nur vorübergehend, was die Preise auf hohem Niveau stabilisieren könnte. JPMorgan und andere Bullen sehen in der Kupfernachfrage eine nachhaltige, langfristige Dynamik, während Goldmans Sachs die kurzfristige Überhitzung und mögliche Korrektur im Auge behält. Die Kupferindustrie steht vor einer entscheidenden Phase: Einerseits steigert sich die Nachfrage rasant, andererseits fehlt es an Investitionen in neue Förderkapazitäten, was die Lieferkette weiter belasten könnte. Die Entwicklung wird maßgeblich von der Fähigkeit der Produzenten abhängen, die Nachfrage zu bedienen – und ob die KI- und Klima-Revolution die Metallwirtschaft dauerhaft verändern werden.
