OpenAI tritt als SaaS-Wettbewerber auf und verändert die Branche
OpenAI hat mit der Einführung eigener künstlicher Intelligenz-basierter Tools für Vertrieb, Kundensupport und Vertragsverwaltung einen entscheidenden Schritt in die SaaS-Welt unternommen. Statt nur als Anbieter von AI-Infrastruktur, die Dritte nutzen, um eigene Produkte zu entwickeln, positioniert sich das Unternehmen nun als direkter Konkurrent. Mit der „OpenAI on OpenAI“-Reihe präsentierte das Unternehmen interne Anwendungen, die es selbst für Geschäftsprozesse nutzt – etwa automatisierte Vertragsanalysen, intelligente Support-Tickets und KI-gestützte Vertriebsstrategien. Diese Schritte markieren einen Paradigmenwechsel: AI wird nicht länger nur eine Ergänzung, sondern die Grundlage für moderne Unternehmenssoftware. Die Reaktion auf den Schritt war heftig. Aktien von etablierten SaaS-Unternehmen fielen deutlich: HubSpot verlor 10 %, DocuSign sank um 12 %, ZoomInfo gab 6 % nach, und Salesforce verlor mehr als 3 % – ein Rückgang von 28 % im Jahr 2024. Analysten von RBC sehen in der Entwicklung eine „wettbewerbsbedingte Belastung“ für Unternehmen, deren Kernangebote wie Kundenbeziehungsmanagement (CRM) oder Vertragsverwaltung nun von OpenAI direkt angeboten werden. Die Gefahr besteht darin, dass Kunden statt mehrerer Tools lieber eine integrierte, kostengünstigere Lösung von OpenAI wählen. Doch die Lage ist ambivalent. Für viele SaaS-Unternehmen bietet die Zusammenarbeit mit OpenAI auch Chancen: KI-gestützte Tools können Vertriebsrunden beschleunigen, Supporteffizienz steigern und die Kundenbindung erhöhen. Die Entscheidung lautet daher nicht mehr „mit oder ohne AI“, sondern „integrieren oder konkurrieren“. Dabei wird der Preismodell entscheidend sein. Ein Seat-basiertes Modell könnte kleine und mittlere Unternehmen unter Druck setzen, während ein nutzungsabhängiges Modell die Integration in bestehende Systeme attraktiver macht. OpenAI betont, dass KI nicht Menschen ersetzen, sondern deren Expertise skalieren soll. So sollen Top-Verkäufer oder Anwälte in KI-Modelle eingebunden werden, um Best Practices in Teams zu verbreiten. Intern hat das Unternehmen bereits Erfolge erzielt: Support-Mitarbeiter konzentrieren sich nun auf Systemgestaltung statt auf Ticketbearbeitung, Finanzteams reduzierten Vertragsprüfzeiten drastisch. Insgesamt markiert OpenAI mit diesem Schritt einen Bruch: Es ist nicht mehr nur ein Technologie-Lieferant, sondern ein vollwertiger SaaS-Anbieter. Für die Branche bedeutet das eine neue Ära – in der KI nicht mehr nur ein Feature ist, sondern die neue Plattform für Geschäftsprozesse. Die Antwort der Softwaregiganten wird entscheidend sein: Wer sich anpasst, könnte wachsen. Wer sich wehrt, riskiert, obsolet zu werden.
