Generative AI verändert Arbeitswelt: Routinejobs automatisiert, hochqualifizierte Rollen unterstützt
Ein neuer Bericht von Jobs and Skills Australia (JSA) prognostiziert, dass generative Künstliche Intelligenz (KI) bis 2050 die australische Arbeitswelt tiefgreifend verändern wird. Während viele routinemäßige administrative und buchhalterische Tätigkeiten automatisiert werden, wird KI vor allem hochqualifizierte Berufe unterstützen und deren Leistungsfähigkeit steigern. Die Studie nutzte ein wirtschaftswissenschaftliches Modell des Typs „Computable General Equilibrium“ (CGE), um die Auswirkungen von Automatisierung und KI-Unterstützung auf 998 Berufe zu simulieren. Ergebnis: Nur rund 4 % der Arbeitskräfte sind in Berufen tätig, die stark von Automatisierung betroffen sind. Dagegen haben 79 % der Beschäftigten Berufe mit geringer Automatisierungs- aber hoher Aufwertungspotenzial – also Jobs, bei denen KI die Arbeit ergänzt, statt sie zu ersetzen. Besonders betroffen sind klassische Bürojobs wie allgemeine Sachbearbeiter, Empfangspersonal, Buchhalter und Rechnungsführer. Gleichzeitig wird KI in Wissensberufen wie Management, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen und Bildung eine zentrale Rolle spielen, indem sie komplexe Aufgaben beschleunigt, Daten analysiert oder Berichte erstellt. Die größten Beschäftigungsverluste bis 2050 werden für Buchhalter, Verkäufer, Marketingfachkräfte und Programmierer erwartet. Gleichzeitig sollen sich die Arbeitsplätze in Bereichen mit hohem physischen und menschlichen Engagement ausweiten – etwa bei Pflegekräften, Reinigungskräften, Bauleuten, Bergleuten und im Gastgewerbe. Der Bericht betont, dass der Übergang nicht abrupt erfolgen wird. Die Beschäftigungswachstumsraten werden in den 2030er Jahren langsamer verlaufen, um sich dann in den 2040er Jahren wieder zu beschleunigen. Die Qualität der Umsetzung von KI-Systemen sei entscheidend: Nur wenn Unternehmen und Institutionen KI strategisch und verantwortungsvoll einsetzen, können die Vorteile voll genutzt werden. Bisher gibt es keine Anzeichen für einen Rückgang von Einstellungen auf Einstiegsniveau, doch zeigen erste Trends, dass diese Jobs sich wandeln: Statt wiederholter Aufgaben übernehmen Beschäftigte zunehmend die Rolle von KI-Überwachern und -Optimierern. JSA fordert dringend politische Maßnahmen: gezielte Weiterbildung, Partnerschaften zwischen Industrie und Bildungseinrichtungen sowie Maßnahmen zur digitalen Inklusion. Besonders betroffen sind Frauen, ältere Arbeitnehmer, indigene Bevölkerungsgruppen und Menschen mit Behinderungen, die häufig in automatisierungsgefährdeten Positionen arbeiten. Die Regierung wird aufgefordert, jetzt zu handeln, um eine gerechte und resiliente Arbeitsmarkttransformation zu gewährleisten. Experten sind sich uneins über die langfristigen Auswirkungen. Satya Nadella von Microsoft sieht KI als Werkzeug zur Erweiterung menschlicher Fähigkeiten, während Adam Dorr von RethinkX befürchtet, dass bis 2045 die Mehrheit der Jobs obsolet sein könnte. Geoffrey Hinton warnt vor der Verdrängung „einfacher geistiger Arbeit“, während Amazon-Chef Andy Jassy und Bill Gates auf neue Arbeitsplätze in Robotik und der Überwindung von Fachkräftemangel in Bildung und Gesundheit setzen. Die Zukunft der Arbeit wird daher weniger von der Frage „KI gegen Mensch“ als vielmehr von der Frage „Wie gestalten wir die Zusammenarbeit?“ bestimmt.
