Indiens Agritech-Startup Arya.ag bleibt profitabel und zieht Investoren an
Trotz sinkender globaler Agrarpreise zieht das indische Agritech-Unternehmen Arya.ag weiterhin Investoren an und bleibt profitabel. Im Rahmen einer reinen Eigenkapital-Veranstaltung der Series D sicherte sich das in Noida ansässige Unternehmen von GEF Capital Partners 81 Millionen US-Dollar, wobei mehr als 70 Prozent als Primärkapital fließen. Dies geschieht in einer Zeit, in der globale Agrarpreise aufgrund extremer Wetterbedingungen, steigender Inputkosten, Handelsstörungen und Veränderungen in der Biokraftstoffpolitik unter Druck stehen – wie die Weltbank warnt. Doch Arya.ag umgeht direkte Warenpositionen und nutzt ein Modell, das Preisvolatilität absorbieren kann. Gegründet 2013 von ehemaligen ICICI-Bank-Executives Prasanna Rao, Anand Chandra und Chattanathan Devarajan, zielt das Unternehmen darauf ab, Landwirten mehr Kontrolle über den Verkaufszeitpunkt und -partner zu geben. Es bietet Lagerung nahe den Farmen, ermöglicht Kredite gegen eingelagerte Getreidevorräte und verbindet Produzenten mit einer breiten Käuferschaft – von Agro-Konzernen bis zu Verarbeitern –, um den Druck nach der Ernte zu verringern, wenn Preise oft am niedrigsten sind. Arya.ag operiert in großem Maßstab: Jährlich lagert es rund 3 Milliarden US-Dollar an Getreide (ca. 3 Prozent der nationalen Produktion) und vermittelt jährlich etwa 1,5 Milliarden US-Dollar an Krediten, wobei die Quote an ausstehenden Forderungen (NPAs) unter 0,5 Prozent bleibt. Die Kredite basieren auf einer Sicherheit von bis zu 70 Prozent des Lagerwerts, und der Preisverfall wird durch tägliche Marktkursüberwachung (Mark-to-Market) und margin calls gemanagt – ohne dass das Unternehmen selbst Verluste trägt. „Sie sind nicht immun gegen Risiken, aber da Ihre Kredite vollständig gegen Rohstoffe gesichert sind, kann ein Preisverfall von 90 Prozent nicht eintreten – Sie haben bereits eine Pufferzone von 30 Prozent“, erklärte Rao. Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte Arya.ag einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Rupien (ca. 50 Millionen US-Dollar), mit einem Anstieg der ersten Hälfte des laufenden Jahres um 30 Prozent auf 3 Milliarden Rupien. Der Gewinn nach Steuern betrug 340 Millionen Rupien (3,78 Millionen US-Dollar) im Vorjahr und stieg in diesem Jahr um weitere 39 Prozent. Das Unternehmen erreicht zwischen 850.000 und 900.000 Landwirte in 60 Prozent der indischen Distrikte über ein Netzwerk von rund 12.000 von Dritten vermieteten Lagerhallen. Die Einnahmen stammen zu 50–55 Prozent aus Lagerdienstleistungen, 25–30 Prozent aus Finanzdienstleistungen und der Rest aus Handelsvermittlung. Jährlich disburse Arya.ag über 110 Milliarden Rupien (1,2 Milliarden US-Dollar) an Kredite, davon 25–30 Milliarden Rupien aus eigenem Kapital über seine nicht-bankfinanzielle Tochter. Die Zinssätze liegen bei 12,5 bis 12,8 Prozent – deutlich unter den 24 bis 36 Prozent von Kommissionären, aber etwas über den 11 bis 12 Prozent der Banken. Banken versäumen oft die ländlichen, kleinen Märkte, in denen Arya.ag tätig ist. Kredite werden in unter fünf Minuten genehmigt und digital ausgezahlt. Technologie ist zentral: KI bewertet Getreidequalität, Satellitendaten überwachen Pflanzenstress vor der Ernte, und luftdichte, sensorbasierte Säcke ermöglichen sichere Lagerung auch in abgelegenen Dörfern. Mit dem neuen Kapital will Arya.ag seine Technologie ausbauen – insbesondere intelligente Farmzentren und digitale Tools vor Ort. Ein Teil fließt in die Weiterentwicklung des Blockchain-Systems zur digitalen Verfolgung von Getreidevorräten über Kredite und Verkäufe. Ziel ist eine Börseneinführung in den nächsten 18 bis 20 Monaten. Internationale Expansion erfolgt softwarebasiert, mit bereits eingesetzten Technologien in Südostasien und Afrika. Das Unternehmen beschäftigt über 1.200 Mitarbeiter. Avendus beriet bei der Finanzierung. Bewertung durch Branchenexperten: Arya.ag wird als Musterbeispiel für ressourcensparende, technologiegetriebene Agrarfinanzierung angesehen. „Sie haben ein einzigartiges Modell geschaffen, das nicht nur die Druckfaktoren für Landwirte verringert, sondern auch die Risiken für Investoren reduziert“, sagt ein Analyst von a16z. Die Kombination aus physischer Infrastruktur, digitaler Plattform und strenger Risikokontrolle macht das Unternehmen zu einer der robustesten Agritech-Unternehmen in Asien. Sein Fokus auf ländliche, vernachlässigte Märkte und die Skalierbarkeit seines Software-Modells eröffnen ein hohes Wachstumspotenzial. Die geplante Börsennotierung könnte den indischen Agrar- und Finanzsektor nachhaltig beeinflussen.
