O'Leary: KI-Boom kein Blasenrisiko, Zölle weniger schädlich als erwartet
Der "Shark Tank"-Investor Kevin O'Leary ist überzeugt, dass die aktuelle KI-Blase keine Wiederholung der Dotcom-Blase aus den frühen 2000er Jahren darstellt. Im Gespräch mit Business Insider betonte er, dass sich der Produktivitätsgewinn durch KI heute messbar in konkreten Dollarbeträgen nachweisen lasse – im Gegensatz zur damaligen Internet-Hype-Phase, bei der viele Unternehmen ohne nachweisbare Gewinne oder Umsätze hoch bewertet wurden. O'Leary verwies auf seine Investition in Fly Guys, ein Drohnenspezialist, der mithilfe von KI-Aerial-Imagery Gebäudeoberflächen scannen und automatisch Wartungsarbeiten identifizieren kann. Solche Lösungen sparten Unternehmen wie Walmart oder Home Depot Millionen an Kosten, was den wirtschaftlichen Nutzen der KI konkret belege. Diese Effizienzsteigerungen, so O'Leary, könnten auch die Folgen von Zöllen kompensieren und hohe Aktienbewertungen rechtfertigen. Die nächsten 12 bis 18 Monate würden zeigen, ob diese Erwartungen sich bestätigen. Auch was die neuen Zölle unter Trump betrifft, ist O'Leary optimistisch. Nach dem sogenannten „Liberation Day“ im April fielen die Märkte zunächst stark, erholten sich jedoch schnell und erreichten neue Rekordhochs. O'Leary sieht darin ein Zeichen dafür, dass Investoren während Kursschwankungen ruhig bleiben sollten – auch wenn dies nervenaufreibend sei. Wer panisch verkauft, verpasse oft erhebliche Renditen. Tatsächlich stieg der S&P 500 seit dem Tief vom 8. April um rund 27 % und liegt 12 % über seinem Niveau vor dem Rückgang – weit über dem langfristigen Durchschnittsrendite von etwa 7 % pro Jahr. Die Erholung, so O'Leary, sei auf mehr Klarheit bezüglich der Zölle zurückzuführen. Die angeordneten Sätze von 10 % für Großbritannien bis 41 % für Syrien seien „handhabbar“, insbesondere für Handelspartner wie die EU. Zudem habe sich bislang kein Anstieg der Inflation gezeigt: Der Verbraucherpreisindex stieg im April um 0,2 %, im Mai um 0,1 % und im Juni um 0,3 % – alle Zahlen saisonbereinigt. Die Befürchtung, dass Zölle die Gewinnmargen durch steigende Eingangspreise zerstören würden, sei bisher nicht eingetreten. Auch die Konsumenten seien finanziell stabil. O'Leary nennt dies eine „bemerkenswerte Situation“, in der „praktisch alle falsch lagen“. Er selbst und sein Team würden aktuell Vorräte für die Weihnachtszeit aufstocken – ein klares Zeichen für eine netto-bullische Haltung. Als Gründer von SoftKey und Verkäufer von The Learning Company an Mattel im Jahr 1999 verfügt O'Leary über langjährige Erfahrung im Investitions- und Unternehmensmanagement. Sein Ansatz: Fokussiert auf messbare Ergebnisse, skeptisch gegenüber kurzfristigen Panikreaktionen, und überzeugt von der langfristigen Stärke der Wirtschaft, wenn Innovationen wie KI echten Wert schaffen. Industriebeobachter loben O'Learys pragmatischen Ansatz, sehen aber auch Risiken in der übermäßigen Begeisterung für KI. Experten warnen davor, dass nicht alle KI-Investitionen tatsächlich rentabel werden. Dennoch gilt O'Leary als einer der wenigen, die zwischen Hype und echter Wertsteigerung unterscheiden können – ein Plus in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Innovation und Spekulation zunehmend verschwimmen.
