Hinton warnt vor Massenarbeitslosigkeit durch KI
Geoffrey Hinton, der als einer der Väter der neuronalen Netze gilt und maßgeblich zur Entwicklung der Technologie hinter ChatGPT beigetragen hat, warnt vor den tiefgreifenden sozialen Konsequenzen künstlicher Intelligenz. In einem Interview mit der Financial Times sagte er, dass die fortschreitende Automatisierung durch KI zu massiver Arbeitslosigkeit und einer dramatischen Zunahme der Ungleichheit führen werde. „Reiche werden KI nutzen, um Arbeitskräfte zu ersetzen“, so Hinton. „Das wird zu einem enormen Anstieg der Gewinne führen, aber die meisten Menschen werden ärmer, während nur wenige extrem reich werden.“ Der 77-Jährige, der für seine bahnbrechenden Arbeiten an neuronalen Netzen den Nobelpreis erhielt und zehn Jahre bei Google tätig war, bevor er 2023 seinen Rückzug aus der Industrie vollzog, betont, dass die Gefahr nicht in der Technologie selbst liegt, sondern im kapitalistischen System, das sie nutzt. Er kritisiert, dass die bestehenden wirtschaftlichen Strukturen die Verteilung von Macht und Reichtum verschärfen, anstatt sie auszugleichen. Hinton lehnt zudem Lösungsansätze wie die universelle Grundeinkommens (UBI) als ausreichend ab. Obwohl er früher die Idee unterstützte, vertritt er nun die Ansicht, dass ein finanzielles Grundeinkommen die Verluste an menschlicher Würde nicht kompensieren könne. „Menschen beziehen ihren Wert aus ihrer Arbeit“, sagte er. Selbst wenn KI in der Medizin oder Bildung bahnbrechende Fortschritte ermögliche – wie er es hofft, besonders nach dem Verlust zweier Ehefrauen an Krebs –, sehe er die größere Gefahr in der Zerstörung von Berufstätigkeit und sozialer Identität. Sein Urteil ist ambivalent: „Wir stehen an einem Punkt in der Geschichte, an dem etwas Erstaunliches geschieht – es könnte unglaublich gut sein, aber auch unglaublich schlecht.“ Nicht alle Tech-Führer teilen diese pessimistische Sicht. OpenAI-Chef Sam Altman setzt stark auf UBI und finanzierte eine der umfangreichsten UBI-Studien in den USA. Elon Musk geht noch weiter und spricht von einer Zukunft, in der kaum noch menschliche Arbeit erforderlich ist – doch durch UBI könnten Menschen weiterhin Sinn und Zweck finden. Investor Vinod Khosla prognostiziert, dass KI in 80 Prozent der Jobs 80 Prozent der Aufgaben übernehmen könnte, was die menschliche Arbeitskraft massiv entwerten und UBI zu einer Notwendigkeit machen würde. Anthropic-Chef Dario Amodei hingegen sieht UBI nur als einen kleinen Baustein einer umfassenderen sozialen Neuordnung, die ganz neue Systeme erfordern werde. Hinton bleibt skeptisch: Für ihn ist die Würde der Arbeit nicht durch Geld ersetzbare. Seine Warnung ist eine Aufforderung, die gesellschaftlichen Folgen der KI nicht zu ignorieren – und die Welt vor einer Zukunft zu bewahren, in der Technologie nicht nur die Produktivität steigert, sondern auch die menschliche Existenz verändert.
