Europas neue Unicorns 2026: Vom Cybersecurity-Startup bis zur KI-Plattform
Im Januar 2026 etablierten sich fünf neue europäische Unicorns – Startups, die mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar das prestigeträchtige Etikett erreichten. Obwohl einige Unternehmen juristisch anders eingetragen sind, haben sie tiefgreifende Verbindungen zu europäischen Technologiezentren. So wurde Aikido Security, ein belgisches Cybersecurity-Unternehmen, mit einer Serie B-Finanzierung von 60 Millionen US-Dollar auf eine Bewertung von einer Milliarde Dollar gehoben. Die Runde wurde von DST Global angeführt und umfasste Investoren wie PSG Equity und Singular. Aikido entwickelt eine Plattform, die Sicherheit über den gesamten Softwareentwicklungszyklus integriert und bereits von über 100.000 Teams genutzt wird. Der Erfolg folgt auf ein Jahr mit fünffachem Umsatzwachstum und nahezu dreifachem Kundenzuwachs. Cast AI, ein Cloud-Optimierungsunternehmen mit Sitz in Florida, wird dennoch als Lithauens fünfter Unicorn betrachtet, da es ursprünglich aus Vilnius stammt und dort eine zentrale Niederlassung unterhält. Mit einer strategischen Investition von Pacific Alliance Ventures (PAV), dem US-amerikanischen Risikokapitalfonds des koreanischen Konzerns Shinsegae, erreichte das Unternehmen die Milliarden-Bewertung. Im April 2025 hatte Cast AI bereits eine Serie C von 108 Millionen Dollar abgeschlossen. Parallel zur Finanzierung stellte das Unternehmen OMNI Compute for AI vor, ein Tool zur effizienteren Nutzung von GPUs und zur Überwindung regionaler Rechenkapazitätsengpässe. Harmattan AI, ein französisches Unternehmen im Bereich der Verteidigungstechnologie, wurde 2024 gegründet und erreichte mit einer Serie B-Finanzierung von 200 Millionen Dollar eine Bewertung von 1,4 Milliarden Dollar. Der Investor Dassault Aviation, Hersteller des Rafale-Flugzeugs, übernahm die Führung der Runde und schloss eine strategische Partnerschaft ab. Vorher hatte Harmattan bereits Verträge mit den Verteidigungsministerien Frankreichs und Großbritanniens sowie mit dem ukrainischen Drohnenhersteller Skyeton abgeschlossen – ein Zeichen für wachsendes Interesse an autonomen Luftfahrzeugen. Osapiens, ein deutscher Anbieter von ESG-Software aus Mannheim, sicherte sich mit einer Serie C von 100 Millionen Dollar eine Bewertung von über 1,1 Milliarden Dollar. Die Runde wurde von Decarbonization Partners, einem Joint Venture zwischen BlackRock und Temasek, angeführt. Das Unternehmen, gegründet 2018, verfügt mittlerweile über mehr als 2.400 Kunden weltweit, darunter große multinationale Konzerne, die auf Osapiens Plattformen für Nachhaltigkeitsberichterstattung, Compliance und Lieferkettenrisikomanagement angewiesen sind. Zuletzt erreichte Preply, ein 14 Jahre altes Sprachlern-Plattform-Startup, die Unicorn-Bewertung von 1,2 Milliarden Dollar. Obwohl gegründet in den USA, haben die Gründer ukrainische Wurzeln und betonen ihre Verbundenheit mit der Heimat. In Kyiv arbeitet ein Team von 150 Mitarbeitern. Mit der 150-Millionen-Dollar-Serie D will CEO Kirill Bigai künftig mehr KI-Experten in den Niederlassungen in Barcelona, London, New York und Kyiv einstellen, um die KI-gestützte Lernplattform weiter zu optimieren. Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass Europa trotz globaler Unsicherheiten weiterhin ein attraktiver Standort für hochskalierbare Tech-Unternehmen ist – besonders in den Bereichen Cybersecurity, KI, ESG und Verteidnungstechnologie. Die Investitionen signalisieren Vertrauen in europäische Innovationskraft und globale Wettbewerbsfähigkeit. Branchenexperten sehen darin ein Zeichen für die Reife des europäischen Startup-Ökosystems, das zunehmend in der Lage ist, internationale Spitzenpositionen einzunehmen – auch wenn die langfristige Rentabilität noch abzuwarten bleibt.
