Oracle-OpenAI-Deal überrascht Wall Street, treibt Tech-Branche an
OpenAI und Oracle haben die Märkte mit einer überraschenden Fünfjahresvereinbarung im Wert von 300 Milliarden US-Dollar erschüttert, wodurch der Aktienkurs des Cloud-Anbieters sprunghaft anstieg. Die Vereinbarung unterstreicht, dass Oracle trotz seiner vermeintlich abgenommenen Rolle im AI-Boom weiterhin eine zentrale Funktion im Bereich der Infrastruktur spielt. Für OpenAI ist das Abkommen ein klares Zeichen für seine ambitionierten Pläne: Die Bereitschaft, so viel für Rechenleistung auszugeben, zeigt das enorme Wachstumspotenzial – auch wenn unklar bleibt, wo die benötigte Energie herkommen soll und wie die Kosten gedeckt werden. Experten wie Chirag Dekate von Gartner sehen in der Partnerschaft eine strategische Bewegung. OpenAI will sich durch Diversifizierung über mehrere Cloud-Anbieter hinweg absichern, um Risiken zu minimieren und eine weltweite Supercomputing-Infrastruktur für extrem große Modelle und Inference-Operationen aufzubauen. Diese Strategie könnte OpenAI gegenüber Wettbewerbern wie Meta oder Google einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Obwohl Oracle nicht zu den führenden Akteuren im AI-Boom zählt wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud, verfügt es über langjährige Erfahrung in der Bereitstellung skalierbarer, leistungsstarker Infrastruktur – etwa für TikTok in den USA. Trotz der Marktbegeisterung bleiben entscheidende Fragen offen. OpenAI plant jährlich rund 60 Milliarden US-Dollar für Rechenleistung bei Oracle auszugeben und zusätzlich 10 Milliarden für die Entwicklung maßgeschneiderter AI-Chips mit Broadcom. Gleichzeitig hat das Unternehmen im Juni 10 Milliarden US-Dollar jährliches wiederkehrendes Einkommen erreicht – ein Anstieg von 5,5 Milliarden im Vorjahr. Dennoch verbraucht OpenAI weiterhin Milliarden an Cash, da es noch lange nicht profitabel ist. Die Energieversorgung für die geplante 4,5-Gigawatt-Rechenleistung bleibt eine große Herausforderung. Experten erwarten, dass Datenzentren bis 2040 bis zu 14 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs ausmachen könnten. Tech-Riesen wie Google, Meta und Amazon setzen bereits auf Solarfarmen, Kernkraft und Geothermie, um ihre Energiebedarfe zu decken. OpenAI selbst hat bisher wenig in die Energieinfrastruktur investiert, obwohl CEO Sam Altman in Unternehmen wie Oklo, Helion und Exowatt gestärkt hat. Die Kooperation mit Oracle könnte OpenAI helfen, „asset light“ zu bleiben – also ohne eigene Rechenzentren auszukommen – was die Investoren beruhigt und die Bewertung auf Software-Niveau hält. Oracle profitiert stark von der Vereinbarung: Sein vertraglich gebundener Umsatz stieg um 359 Prozent auf 455 Milliarden Dollar. Doch Analysten wie Gil Luria von D.A. Davidson warnen vor zu großer Abhängigkeit von einem einzigen Kunden. Wenn mehr als 90 Prozent des Auftragsvolumens von OpenAI stammen, könnte das Risiko für Oracle steigen. Die Aktie fiel nach dem ersten Höchststand um fast 12 Prozent. Obwohl Oracle nun nahe an der 1-Billionen-Dollar-Marktkapitalisierung ist, bleibt Skepsis bestehen. Byron Deeter von Bessemer Venture Partners sieht Oracle weiterhin als „B-Level-Hyperscaler“ ohne echte Stärke in AI-Software oder Chips. Die plötzliche Begeisterung der Märkte sei überzogen – Oracle sei nicht automatisch der nächste große Player im AI-Boom. OpenAI selbst arbeitet an einer Umwandlung in eine Public Benefit Corporation, um die Finanzierung von 40 Milliarden Dollar zu sichern. Die Zukunft hängt entscheidend von der Fähigkeit ab, Rechenleistung, Energie und Finanzierung in Einklang zu bringen.
