AI-Bedrohung belastet Privatkreditmärkte bei Softwareunternehmen
Die private Kreditmärkte stehen erneut vor erheblichen Herausforderungen, da künstliche Intelligenz (KI) die Geschäftsmodelle von Softwareunternehmen bedroht, die als zentrale Kreditnehmer für private Kreditgeber gelten. Zuletzt verstärkte sich die Unsicherheit nach der Vorstellung neuer KI-Tools durch das Unternehmen Anthropic, die komplexe berufliche Aufgaben übernehmen können, die traditionell von Softwarefirmen abgerufen werden. Dies löste eine Verkaufswelle bei Aktien von Software-Datenanbietern aus und führte zu massiven Kursverlusten bei Asset-Managern mit starken privaten Kreditportfolios. Ares Management verlor über 12 Prozent, Blue Owl Capital mehr als 8 Prozent, KKR fast 10 Prozent, TPG rund 7 Prozent, während Apollo Global und BlackRock jeweils über 1 Prozent und 5 Prozent einbüßten. Im Vergleich sank der S&P 500 um etwa 0,1 Prozent, der Nasdaq sogar um 1,8 Prozent. Die Entwicklung hebt ein tiefgreifendes Risiko hervor: Viele private Kreditfonds haben ihre Anlagen stark auf den Software- und Technologiebereich konzentriert – besonders seit 2020. Laut PitchBook machen Softwareunternehmen etwa 17 Prozent der Investitionen von US-Unternehmen mit geschlossenen Beteiligungen (BDCs) aus, nur hinter dem Bereich „Kommunikationsdienstleistungen“. Besonders beliebt sind sogenannte Unitranche-Kredite, bei denen mehrere Kreditverträge zu einem einzigen Instrument zusammengefasst werden – eine Struktur, die für die private Kreditbranche typisch ist. Doch wenn KI die Nachfrage nach bestimmten Softwarelösungen drastisch reduziert, droht eine Verschlechterung der Cashflows und damit ein Anstieg der Ausfallwahrscheinlichkeit. UBS warnt vor einem Szenario, in dem KI-bedingte Störungen die Ausfallraten im US-privaten Kreditmarkt auf bis zu 13 Prozent treiben könnten – deutlich höher als bei hochverschuldeten Unternehmensanleihen (8 Prozent) oder leveraged Loans (4 Prozent). Jeffrey C. Hooke von der Johns Hopkins Carey Business School betont, dass die Spannungen im privaten Kreditmarkt bereits vor dem KI-Boom bestanden – durch Liquiditätsprobleme und Schwierigkeiten bei der Rückzahlung von Krediten. Die aktuelle Entwicklung sei nur eine zusätzliche Belastung auf einem ohnehin angespannten Markt. Kenny Tang von PitchBook LCD weist darauf hin, dass nicht alle Softwareunternehmen gleich betroffen sind: Unternehmen, die in der KI-Entwicklung führend sind, könnten sogar von der Transformation profitieren, während Nachzügler in Gefahr geraten. Besonders riskant sind hierbei Payment-in-Kind (PIK)-Kredite, bei denen Zinsen verzögert oder in Form von Schuldtiteln gezahlt werden. Diese Struktur ist beliebt bei wachstumsstarken Firmen, birgt aber Gefahren, wenn die Finanzlage schwächelt – dann kann sich die verzögerte Zinslast schnell zu einer Kreditkrise auswachsen. Mark Zandi von Moody Analytics sieht in der KI-Expansionsrate, der steigenden Verschuldung und der mangelnden Transparenz im privaten Kreditmarkt „gelbe Lichter“. Obwohl die Branche derzeit vermeintlich Verluste absorbieren könne, warnt er: „Wenn sich der derzeitige Kreditwachstumstrend fortsetzt, wird das in einem Jahr möglicherweise nicht mehr der Fall sein.“ Die Branche steht vor einer kritischen Prüfung: Kann sie die KI-Transformation bewältigen, ohne dass sich einzelne Risiken in ein systemisches Problem verwandeln? Die Antwort wird entscheidend für die Stabilität eines 3 Billionen Dollar großen Marktes sein.
