Scale AI nach Meta-Investition: Kostensenkungen, Fluktuation und Wettbewerb
In diesem Sommer erlitt Scale AI einen tiefgreifenden Wandel, nachdem Meta einen 14-Milliarden-Dollar-Investment in das Unternehmen tätigte und dessen 28-jährigen Gründer Alexandr Wang übernahm. Gleichzeitig kündigten A-List-Kunden wie OpenAI und Google ihre Zusammenarbeit mit dem Startup. Die Nachrichten sorgten für Unruhe unter den Arbeitern, die sich an ChatGPT wandten, um die Zukunft des Unternehmens zu ergründen. Die KI prognostizierte, dass Scale AI innerhalb von 24 Monaten nicht mehr als unabhängige, glaubwürdige Einheit existieren würde – eine Einschätzung, die in internen Chats und bei ehemaligen Mitarbeitern breite Bestätigung fand. Die Kritik konzentrierte sich auf drastische Kürzungen: Lohnsenkungen, unbezahlte Onboarding-Phasen, reduzierte Arbeitsmengen und ein massiver Rückgang der Aktivität auf der Plattform Outlier, der mit monatlich nur noch Dutzende statt Hunderte von Beiträgen in Diskussionen einherging. Einige Tasker berichteten, dass sie bis zu 40 Stunden in unbezahlten Einarbeitungsphasen verbrachten, ohne jemals echte Aufträge zu erhalten. Andere sahen ihre Bezahlung von 50 auf 20 Dollar pro Stunde sinken, wobei manche Jobs nur 99 Cent pro zwei Tage abwarben. Die Unternehmensführung, vertreten durch Sprecher Joe Osborne, betont dagegen Fortschritte: Die Daten- und Anwendungsabteilung seien profitabler als je zuvor, die Zahl der aktiven Nutzer auf Outlier sei gestiegen, und der Umsatz in der Anwendungsabteilung habe sich im zweiten Halbjahr verdoppelt. Zudem habe Scale AI neue Akzente gesetzt – in der Robotik, bei Verteidigungsverträgen (bis zu 199 Millionen Dollar) und durch die Etablierung eines neuen Labors. Dennoch blieben die strukturellen Veränderungen tiefgreifend: 14 % der festangestellten Mitarbeiter wurden entlassen, 12 Red-Team-Vertragsmitarbeiter kündigten, und die Dallas-Abteilung für allgemeine KI-Arbeit wurde aufgelöst. Osborne rechtfertigte die Kürzungen mit der Notwendigkeit, die Rentabilität zu steigern und sich auf qualifiziertere, spezialisiertere Aufgaben zu konzentrieren. Doch der Wettbewerb wächst. Rivalen wie Surge AI (24 Milliarden Dollar Bewertung) und Mercor (10 Milliarden, 350 Millionen Dollar Finanzierung) reißen nicht nur Talente ab, sondern auch Kunden. Mercor, gegründet von drei 22-Jährigen, hat bereits ein großes Projekt von Meta gewonnen. Scale AI reagierte mit einer Klage gegen Mercor, die diese als Wettbewerbsmanipulation und Kündigungspraxis beschuldigt. Ehemalige Mitarbeiter wie Tammy Hartline, die zu Mercor wechselte, kritisierten, dass Scale AI in der Wachstumsphase die Qualität vernachlässigt und „Spam und minderwertige Daten als Kostenfaktor in Kauf“ genommen habe. Auch Sicherheitsprobleme wurden offengelegt: In der Vergangenheit nutzte Scale AI öffentliche Google-Docs für vertrauliche Projekte, wodurch sensible Daten von Mitarbeitern und Kunden preisgegeben wurden. Obwohl das Unternehmen eine umfassende Untersuchung durchführte und die Freigabefunktionen deaktiviert hat, bleibt die Reputation angeschlagen. Die Bewertung im privaten Markt brach ein: von 29 Milliarden auf 15 bis 7,3 Milliarden Dollar, was auf ein Vertrauensverluste hindeutet. Einige Investoren sehen in der Meta-Beziehung eine strategische Aktion, um Wang zu gewinnen, nicht die Rettung von Scale AI. Obwohl die Firma weiterhin wachst, ist die Angst vor einer „Zombie-Unternehmung“ – einer ehemals aufstrebenden Firma, die durch ein Tech-Gigant-Engagement entwertet wurde – allgegenwärtig. Die Zukunft hängt nun entscheidend von der Fähigkeit ab, Qualität, Kreativität und Vertrauen wiederherzustellen, während der Wettbewerb stetig zunimmt. In der Branche wird die Krise von Scale AI als Warnung gesehen: Selbst führende Startups sind anfällig, wenn sie zu sehr von einem einzigen Investor abhängen. Obwohl die finanzielle Stärke aus dem Meta-Deal real ist, fehlt es an strategischer Unabhängigkeit und kultureller Konsistenz. Die ehemaligen Mitarbeiter, die in der KI-Trainingsebene tätig waren, sind längst abgewandert – und die Chancen, die alte Dynamik zurückzugewinnen, sind gering. Die Fähigkeit, die Qualität und die Beziehung zu den Taskern zu stärken, wird nun entscheidend sein, um nicht in der Schattenwelt der „Zombie-Startups“ zu verschwinden.
