Hype statt Daten: AI-Startups drohen bei Wachstumsschwelle zu straucheln
Einige der heißesten KI-Startups wachsen derzeit auf der Basis von „guten Gefühlen“ und Instinkt, statt auf fundierten Daten, warnt Julie Zhuo, ehemalige VP für Design bei Facebook und Mitbegründerin des KI-Analytik-Startups Sundial. Laut Zhuo haben viele dieser Unternehmen trotz massiver Wachstumsraten – manche erreichen bereits Hunderte Millionen Dollar Jahresumsatz und Millionen Nutzer – bislang keine ausreichende Dateninfrastruktur aufgebaut. „Wir sehen Unternehmen, die wahnsinnig schnell wachsen, und sie sind immer noch mit zehn oder zwei Personen besetzt“, sagte sie. „Sie haben Hunderte Millionen an ARR und Millionen von Nutzern, aber eigentlich fehlt ihnen die ganze Infrastruktur – das Logging, um echte Datenanalysen durchzuführen.“ Traditionell dauerte es Jahre, bis Unternehmen 100 Millionen Nutzer erreichten, was Zeit bot, um Datenloggingsysteme, Datenteams und „Observability“ – also die Fähigkeit, Nutzerverhalten und Umsatztreiber genau zu verstehen – aufzubauen. Heute jedoch, bei der hektischen Skalierung im KI-Boom, bleibt kaum Zeit dafür. Zhuo warnt, dass dieses Wachstum nicht ewig anhalten wird. Sobald sich die Kurve abflacht, werden die Startups vor die Herausforderung gestellt, grundlegende Fragen zu beantworten: Warum kündigen Nutzer ab? Welche Funktionen sind wirklich wertvoll? Was treibt das Geschäft wirklich an? „Dann beginnen die Leute normalerweise massiv in Daten zu investieren“, sagt sie. „Daten helfen dir herauszufinden, was tatsächlich passiert.“ Zhuo betont zudem, dass sich die Messung von Erfolg im KI-Zeitalter neu definieren muss. Produkte mit Chatbots oder conversationalen Interfaces erfordern neue Analysemethoden. Statt klassischer Metriken wie Klicks oder Seitenaufrufe müssen jetzt KI-Modelle eingesetzt werden, um Nutzern intenzielle Muster zu erkennen – etwa durch die Klassifizierung von Nutzeraufgaben mit Hilfe von großen Sprachmodellen. Der Trend spiegelt sich in der Branche wider: 2024 wurden laut Business Insider mehr als 35 Milliarden Dollar in KI-Startups investiert. Doch viele Investoren befürchten, dass der Markt überhitzt ist und eine neue Blase wie 2000 droht. Kritik gilt auch dem wachsenden Vertrauen in große Sprachmodelle als Weg zur Superintelligenz, während Zweifel an der Rentabilität riesiger Investitionen wachsen. OpenAI-Chef Sam Altman sprach von einer „irrationalen“ Begeisterung bei Investitionen in kleine KI-Startups und bestätigte: „Ja, wir sind in einer Phase, in der die Investoren überwiegend zu begeistert sind.“ Gleichzeitig bleibt sein Urteil: „Ja, KI ist das Wichtigste seit langer Zeit.“ Zhuos Warnung ist klar: „Good vibes“ reichen nicht, wenn die Wachstumsschleife bricht. Daten sind der einzige Weg, um nachhaltigen Erfolg zu sichern.
