Oracle-Aktie sinkt nach Rückzug von Blue Owl aus Milliarden-Data-Center-Projekt
Oracle-Aktien gaben am Mittwoch um 5 Prozent nach, nachdem Berichte über einen Rückzug von Blue Owl Capital aus den Finanzierungsplänen für einen 10-Milliarden-Dollar-Datenzentrum-Projekt in Michigan aufkamen. Laut Financial Times war Blue Owl in Gesprächen mit Oracle, um eine 1-Gigawatt-Anlage in Saline Township, Michigan, für OpenAI zu finanzieren. Die Pläne scheiterten jedoch an Bedenken hinsichtlich Oracles steigender Schuldenlast und der hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz. Ein Insider zufolge war Blue Owl auch von ungünstigen Kreditbedingungen und der Struktur der Rückzahlungen abgeschreckt, zudem gab es Sorge vor möglichen Baubehinderungen durch lokale Politik. Obwohl Blue Owl das Projekt ursprünglich geprüft hatte, entschied sich das Unternehmen letztlich gegen eine Beteiligung. Oracle reagierte auf die Berichte mit einer klaren Stellungnahme: Das Projekt sei weiterhin auf Kurs, und Blue Owl sei nie Teil der endgültigen Gleichung für die Eigenkapitalfinanzierung gewesen. Laut Oracle-Sprecher Michael Egbert habe der Entwicklungspartner Related Digital einen anderen Investor aus einer starken Auswahl ausgewählt, dessen Verhandlungen „pünktlich und nach Plan“ verlaufen. Related Digital bestätigte, dass der neue Partner „unvergleichliche Expertise“ im Bereich Digital Infrastructure besitzt, nannte den Namen jedoch nicht. Der Standort, der im ersten Quartal des nächsten Jahres in Bau gehen soll, genießt laut Natalie Ravitz von Related Digital „starke Unterstützung“ durch Michigan-Gouverneurin Gretchen Whitmer. Die Nachrichten über den Rückzug von Blue Owl trafen auf eine allgemeine Unsicherheit in der Branche: Andere AI- und Cloud-Aktien fielen ebenfalls – Broadcom um 4 Prozent, Nvidia um 3 Prozent, AMD um 5 Prozent und CoreWeave sogar um 7 Prozent. Analysten sehen in der Entwicklung kein Zeichen für strukturelle Probleme, sondern ein typisches Ergebnis des wettbewerbsintensiven Investitionsklimas. Evercore ISI betonte, dass auch erfahrene Investoren nicht jedes Projekt gewinnen müssen, und unterstrich, dass digitale Infrastruktur weiterhin ein zentraler Wachstumspfad für Blue Owl sei. Der Fonds plant bis 2026 einen neuen Digital-Infrastructure-Fonds, der die bereits im Mai angekündigte 7-Milliarden-Dollar-Struktur ergänzen soll. Oracle selbst hat bis Ende November 248 Milliarden US-Dollar an Mietverpflichtungen für Datenzentren und Cloud-Kapazitäten über 15 bis 19 Jahre gebunden – ein Anstieg um fast 148 Prozent seit August. Im September hatte das Unternehmen zudem 18 Milliarden Dollar an neuer Schuld aufgenommen. Mit einer Schuldenlast von über 124 Milliarden Dollar, inklusive operativer Leasingverbindlichkeiten, steht Oracle vor erheblichen Finanzierungsdruck. Gleichzeitig ist die Partnerschaft mit OpenAI, die im September für 300 Milliarden Dollar über fünf Jahre angekündigt wurde, ein zentraler Baustein der Strategie. Die Aktie ist seit dem Hoch von 345,72 Dollar im September um rund 50 Prozent gefallen. Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass die rasante Expansion der KI-Infrastruktur mit erheblichen Finanzierungsrisiken verbunden ist. Die Abkehr von traditionellen Finanzierungsmodellen zugunsten von Private-Equity-Partnern birgt Unsicherheiten, insbesondere wenn die Wettbewerbsbedingungen und die Kreditkonditionen nicht stimmen. Blue Owl bleibt weiterhin in zwei anderen Oracle-Projekten aktiv, was die Beziehung nicht endgültig belastet. Laut FT ist Blackstone in Gesprächen, um Blue Owl zu ersetzen, doch ein Deal steht noch aus. Die Branche bleibt aufmerksam: Die Balance zwischen schnellem Wachstum und finanzieller Stabilität wird entscheidend für die Zukunft der KI-Infrastruktur sein.
