AI droht Einsteiger-Jobs in Recht, Finanzen und Beratung zu verdrängen
Anthropic-Chef Dario Amodei hat seine Warnung vor dem raschen Verdrängungseffekt künstlicher Intelligenz auf Einstiegsstellen in Rechts- und Finanzbranche, Beratung und Verwaltung erneut bekräftigt. In einem Interview mit BBC Radical sprach er davon, dass bereits in den kommenden ein bis fünf Jahren viele repetitive, aber variabel gestaltete Aufgaben – wie Dokumentenüberprüfungen bei Anwaltskanzleien oder erste Analysen in der Finanzwelt – durch KI-Systeme ersetzt werden könnten. Besonders betroffen seien erste Juristen (First-Year Associates), die heute viel Zeit mit dem Durchsehen von Verträgen und Rechtsunterlagen verbringen. Laut Amodei sei KI bereits heute sehr gut darin, solche Aufgaben zu bewältigen, und die Technologie entwickle sich rasant weiter. Er betonte, dass es sich nicht um hypothetische Zukunftsszenarien handle, sondern um bereits sichtbare Entwicklungen, die von vielen Unternehmen bereits genutzt werden. Amodei geht zudem davon aus, dass viele CEOs die KI nicht primär zur Unterstützung von Mitarbeitern nutzen, sondern als Instrument zur Kostensenkung und Personalreduzierung. „Ein großer Teil der Führungskräfte würde gerne KI nutzen, um weniger Menschen einzustellen“, sagte er. Seine Prognose, dass bis 2029 bis zu 50 Prozent der Einstiegsjobs in Büroberufen durch KI verschwinden könnten, sei nicht spekulativ, sondern basiere auf Gesprächen mit Führungskräften, die bereits KI-Tools implementieren und deren Einsatz auf Effizienzsteigerung und Personalabbau ausgerichtet sei. Seine Warnungen haben in der Tech-Welt heftige Diskussionen ausgelöst. Nvidia-Chef Jensen Huang lehnte Amodeis pessimistische Sicht ab und betonte, dass KI Jobs eher verändern als vollständig ersetzen werde. OpenAI-Chef Sam Altman argumentierte, dass Gesellschaften nicht zulassen würden, dass die Hälfte der Arbeitsplätze verschwindet, und dass neue, bessere Berufe entstehen würden. Salesforce-Chef Marc Benioff sieht bisher keine Anzeichen für eine „Jobs-Apokalypse“, während Ford-Chef Jim Farley prognostizierte, dass die KI „wörtlich die Hälfte“ der weißgekleideten Büroangestellten in den USA ersetzen könnte. Die Debatte spiegelt eine tiefe Uneinigkeit über die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der KI-Revolution wider. Während einige Experten die Transformation als Chance für Produktivitätssteigerung und kreative Neuausrichtung sehen, warnt Amodei vor einer beschleunigten Entwertung menschlicher Arbeit – besonders in den Bereichen, die heute als Einstiegspforten in Karrieren gelten. Die Frage bleibt: Wer trägt die Verantwortung für die soziale Anpassung, wenn KI nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch den Zugang zu Berufschancen grundlegend verändert?
