2025: PostgreSQL-Hype, MCP-Boom und Database-Revolution
2025 war ein Jahr des Umbruchs, der Konsolidierung und unerwarteter Entwicklungen im Datenbanksektor. Trotz persönlicher Herausforderungen – darunter ein schwerer gesundheitlicher Rückschlag im Frühjahr – prägte eine Fülle von Entwicklungen die Branche. Zentrales Thema blieb die Dominanz von PostgreSQL, die sich in diesem Jahr nicht nur durch technische Fortschritte, sondern auch durch eine Welle von Akquisitionen und strategischen Investitionen manifestierte. Die Einführung von PostgreSQL 18 im November brachte wichtige Neuerungen wie ein asynchrones I/O-Speichersubsystem, das die Abhängigkeit von der OS-Seiten-Cache verringern soll, sowie Skip-Scans, die die Effizienz von Abfragen mit unvollständigen Indexpräfixen steigern. Obwohl diese Features bei anderen Systemen längst vorhanden sind, ist der Fokus auf PostgreSQL als Open-Source-Grundlage für neue, skalierbare Lösungen entscheidend. Databricks zahlte 1 Milliarde US-Dollar für das PostgreSQL-DBaaS-Unternehmen Neon, während Snowflake 250 Millionen für CrunchyData investierte. Microsoft stellte mit HorizonDB eine neue, von Citus-Technologie inspirierte PostgreSQL-Plattform vor, was die Konkurrenz der Cloud-Anbieter auf dem Postgres-Markt weiter anheizte. Parallel dazu entstanden zwei bedeutende Projekte zur horizontalen Skalierung von PostgreSQL: Supabase stellte Multigres vor, ein Sharding-Middleware-Projekt unter Leitung von Sugu, dem ehemaligen CTO von PlanetScale und Mitbegründer von Vitess. Ein Monat später kündigte PlanetScale mit Neki ein eigenes, ähnliches Projekt an. Diese Entwicklungen signalisieren, dass der Wettbewerb um die „echte“ verteilte PostgreSQL-Lösung intensiviert wird – ein Kampf, der die Community in den Schatten der etablierten Cloud-Plattformen rückt. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung von MCP (Model Context Protocol), einem standardisierten JSON-RPC-Interface, das LLMs erlaubt, ohne kundenspezifische Code-Integration mit Datenbanken zu interagieren. Nach der Ankündigung durch Anthropic im November 2024 und der anschließenden Unterstützung durch OpenAI im März 2025, implementierten nahezu alle DBMS-Hersteller MCP-Server – von ClickHouse über MongoDB bis zu Google Cloud. Besonders auffällig war die Einführung von Branching-Funktionen, die es Agenten ermöglichen, Änderungen in isolierten Umgebungen zu testen; Neon berichtete, dass 80 % seiner Datenbanken von Agenten erstellt wurden. Rechtlich war 2025 geprägt von dem Rechtsstreit zwischen MongoDB und FerretDB, der aus einer Abmahnung 2023 hervorging und 2025 in einer Bundesklage mündete. MongoDB warf FerretDB vor, durch eine „Drop-in-Replace“-Lösung Markenrechte zu verletzen und die Wahrnehmung des Marktes zu schädigen. Die Parallele zu Microsofts Open-Source-DocumentDB, die in die Linux Foundation überführt wurde, zog kritische Diskussionen über die Grenzen der API-Imitation nach sich. Gleichzeitig setzte sich die Debatte um Dateiformate fort: Fünf neue Open-Source-Formate – darunter SpiralDBs Vortex, F3, FastLanes und Anyblox – traten an, um Parquet zu verdrängen. Obwohl Parquet weiterhin dominiert, offenbarten Studien, dass 94 % der Dateien nur veraltete v1-Features nutzen, was die Interoperabilität behindert. Die Lösung liegt in standardisierten, plattformübergreifenden Decodern, wie sie in F3 und Anyblox vorgeschlagen werden. In der M&A-Welt gab es eine Reihe von Transaktionen: IBM kaufte DataStax (3 Mrd. $), Confluent wurde von IBM übernommen, und Salesforce erwarb Informatica für 8 Mrd. $. Databricks stärkte seine Position mit dem Erwerb von Mooncake und Tecton, um die Integration von Iceberg und Agenten-Entwicklung zu fördern. Fivetran und dbt Labs fusionierten zu einer ETL-Plattform, die als potenzieller IPO-Kandidat gilt. Gleichzeitig gingen mehrere Startups pleite: Hydra, PostgresML, Kuzu (offenbar abgebrochen) und die von der University of Waterloo stammende KuzuDB, die den Open-Source-Code einstellte. Die Tendenz zu Private-Equity-Übernahmen – wie bei Couchbase, SingleStore und MarkLogic – deutet auf eine neue Phase der Konsolidierung hin, in der etablierte Systeme von PE-Fonds übernommen und an die Wartung von Wartungseinnahmen ausgerichtet werden. Ein besonderer Höhepunkt war der Aufstieg von Larry Ellison, der im September 2025 mit einem geschätzten Vermögen von 393 Mrd. US-Dollar die reichste Person in der Geschichte der Menschheit wurde. Sein Erfolg basiert auf dem Wachstum von Oracle, insbesondere durch die strategische Fokussierung auf KI-Infrastruktur. Seine Beteiligung an der Übernahme von TikTok-Controlling-Unternehmen und der Finanzierung von Paramounts Übernahmeversuch von Warner Bros. unterstrichen seine wachsende Macht jenseits der Datenbankwelt. Sein Image als konservativer, aber unerbittlicher Technologie-Imperiums-Gründer bleibt unangetastet. Bewertung: Industrieexperten sehen 2025 als Wendepunkt, in dem PostgreSQL nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich die zentrale Plattform der Datenverarbeitung wird. Die M&A- und MCP-Trends deuten auf eine zunehmende Integration von KI und Datenbanken hin, wobei Sicherheit und Kontrolle kritische Herausforderungen bleiben. Die Konsolidierung der Branche – besonders durch Cloud-Anbieter und PE-Gruppen – könnte die Innovation in der Open-Source-Szene bremsen, birgt aber auch Chancen für stabile, skalierbare Systeme. Die Etablierung von MCP als Standard ist ein Meilenstein für agenteingebundene Datenanwendungen, erfordert aber dringend bessere Sicherheitsarchitekturen. Insgesamt markiert 2025 den Übergang von der Datenbank- zu einer KI-geprägten Dateninfrastruktur, in der PostgreSQL als zentrales Bindeglied fungiert.
