KI übersetzt Hundebellen in menschliche Sprache
Forscher der University of Texas at Arlington arbeiten daran, die Laute von Hunden mit künstlicher Intelligenz zu entschlüsseln und in verständliche menschliche Sprache zu übersetzen. Das Projekt, das von der Forscherin Dr. Anna K. Müller geleitet wird, zielt darauf ab, die verschiedenen Geräusche, die Hunde von sich geben – von Bellen und Heulen bis hin zu Winseln – in spezifische Emotionen und Absichten zu übersetzen. Ziel ist es, einen „Rosetta Stone“ für das Hundesprech zu schaffen, der die Kommunikation zwischen Mensch und Tier revolutionieren könnte. Die Forschung basiert auf der Analyse von über 10.000 Aufnahmen von Hunden aus verschiedenen Rassen und Altersgruppen, die in unterschiedlichen Situationen – wie beim Spielen, beim Fressen oder bei Angst – aufgenommen wurden. Mithilfe von maschinellem Lernen und tiefen neuronalen Netzen wird jedes Geräusch in akustische Merkmale zerlegt: Tonhöhe, Lautstärke, Dauer und Frequenzmuster. Diese Daten werden dann mit den jeweiligen Verhaltensreaktionen des Hundes korreliert, um Muster zu erkennen, die bestimmten emotionalen Zuständen oder Bedürfnissen entsprechen. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Das Bellen ist kein einheitliches Signal, sondern vielmehr ein komplexes Kommunikationssystem. So unterscheidet sich das Bellen bei Freude von dem bei Angst oder Alarm – und die KI kann diese Unterschiede mit einer Genauigkeit von über 85 Prozent erkennen. In frühen Tests konnte die Software sogar die Absicht eines Hundes – etwa „Ich will spielen“ oder „Ich habe Angst“ – mit hoher Trefferquote vorhersagen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. In der Tiermedizin könnte die Technologie helfen, Schmerz oder Stress bei Hunden frühzeitig zu erkennen, ohne dass der Tierarzt auf Verhaltensbeobachtungen angewiesen ist. In der Haustierpflege könnte ein solches System Eltern helfen, die Bedürfnisse ihres Hundes besser zu verstehen – besonders bei älteren Tieren oder solchen mit Kommunikationsbehinderungen. Auch im Bereich der Tierpsychologie und des Verhaltenstrainings könnte die KI wertvolle Erkenntnisse liefern. Bereits im Jahr 2024 wurde ein Prototyp einer mobilen App vorgestellt, die in Echtzeit Hunde-Laute analysiert und eine Textübersetzung anzeigt. Obwohl die Technologie noch im Teststadium ist und nicht alle Nuancen der Hunde-Kommunikation vollständig erfasst werden können, zeigten erste Nutzer eine hohe Akzeptanz. Experten aus der Tierkommunikationsforschung sehen die Entwicklung als bahnbrechend, aber auch mit Vorsicht zu genießen. „Es ist beeindruckend, wie gut die KI bereits zwischen emotionalen Zuständen unterscheiden kann“, sagt Dr. Lars Weber, Experte für Tierverhalten an der Universität Göttingen. „Aber wir müssen uns bewusst sein, dass Hunde nicht wie Menschen denken – ihre Signale sind oft mehr instinktiv als absichtsvoll. Die Übersetzung sollte daher als Hilfsmittel, nicht als Ersatz für Beobachtung und Empathie, verstanden werden.“ Die University of Texas at Arlington kooperiert bereits mit mehreren Tierkliniken und Hundetrainingseinrichtungen, um die Technologie weiter zu verfeinern. Langfristig könnte die Entwicklung auch auf andere Tiere ausgedehnt werden – etwa Katzen oder Pferde – und einen neuen Standard in der interspezifischen Kommunikation setzen.
