Automatisches Programmieren: Kreativität bleibt menschlich
Antirez, der Entwickler von Redis, hat in einem kürzlich veröffentlichten Beitrag auf seiner YouTube-Seite die Bezeichnung „Automatic Programming“ eingeführt, um den modernen Entwicklungsprozess mit künstlicher Intelligenz zu beschreiben. Er betont, dass die Nutzung von KI wie großen Sprachmodellen (LLMs) nicht bedeutet, dass der Mensch aus dem Prozess verschwindet. Vielmehr sei die Rolle des Entwicklers nun eine andere: nicht mehr das Schreiben von Code im klassischen Sinne, sondern das Steuern, Leiten und Gestalten des Entwicklungsprozesses mit Hilfe von KI. Dieser Prozess, den er „Automatic Programming“ nennt, erfordert tiefes Verständnis, kontinuierliche Entscheidungen und eine klare Vision – nicht nur was das Ergebnis sein soll, sondern auch wie es entstehen soll. Antirez unterscheidet scharf zwischen „Automatic Programming“ und dem sogenannten „Vibe Coding“, bei dem Nutzer lediglich vage Anforderungen formulieren und das Modell daraufhin eigenständig Code generiert, oft ohne tieferes Verständnis oder Einfluss. Vibe Coding sei zwar nützlich, um Software schnell zu prototypisieren oder den Zugang zu Programmierung zu democratise, aber es führe selten zu qualitativ hochwertigen, nachhaltigen Lösungen. Im Gegensatz dazu sei Automatic Programming ein bewusster, kontrollierter Prozess, bei dem der Entwickler die Vision, Architektur und Implementierungsdetails steuert – mit der KI als Werkzeug, nicht als Ersteller. Er betont, dass der Code, den man so erzeugt, tatsächlich „eigener“ Code ist. Obwohl die KI auf menschlichem Trainingssatz basiert, ist die kreative und strategische Entscheidung hinter dem Prozess menschlich. Die Vorarbeit der Menschheit – die gesammelten Kenntnisse, Algorithmen und Prinzipien im Trainingsdatenmaterial – sei ein gemeinsames Erbe, das es ermöglicht, Dinge zu erreichen, die Einzelpersonen ohne diese Ressourcen niemals schaffen könnten. In diesem Sinne sei es legitim, den von KI-assistiertem Prozess entstandenen Code als eigenes Werk zu betrachten. Als Beispiel führt er Redis an: Der Kern von Redis ist technisch nicht revolutionär – es sind grundlegende Datenstrukturen und Netzwerkkomponenten. Doch die Entscheidungen, wie diese kombiniert werden, welche Prioritäten gesetzt werden, wie die API gestaltet ist, und vor allem die Vision dahinter, machten Redis zu einem weltweit genutzten, hochwertigen System. Diese Vision war menschlich. Programmieren ist heute automatisiert, aber die Vision bleibt menschlich – und genau das ist es, was zählt. In der Branche wird Antirezes Ansatz als wegweisend angesehen. Entwickler und Tech-Experten begrüßen die klare Abgrenzung zwischen passivem KI-Gen und aktivem, menschlich gesteuertem Entwicklungsprozess. Die Einführung des Begriffs „Automatic Programming“ hilft, die Rolle des Programmierers in der KI-Ära neu zu definieren: nicht als Ersatz, sondern als Leiter, Visionär und Entscheidungsträger. Redis, das seit Jahren als Referenzprojekt gilt, bleibt ein Paradebeispiel dafür, dass es nicht die Technologie ist, die entscheidet, sondern die Intelligenz, die dahintersteht.
