USA-Utilities ringen mit AI-Datenzentren-Lastprognosen
Elektrizitätsversorger in den USA ringen mit einer multibillionenfachen Frage: Wie groß ist der tatsächliche Strombedarf durch die KI-Boom-Ausbaupläne? Während die Börsen auf eine massive Investition in Rechenzentren setzen, zweifeln viele Energieunternehmen an der Realität der prognostizierten Nachfrage. Willie Phillips, ehemaliger Vorsitzender der Federal Energy Regulatory Commission (FERC), warnte vor überhöhten Erwartungen: „Es gibt Regionen, die riesige Steigerungen prognostiziert haben, die sie dann wieder zurückgenommen haben.“ Die KI-Unternehmen planen gigantische Serverfarmen, die in manchen Fällen so viel Strom verbrauchen wie ganze Städte. Doch statt einheitlich zu kooperieren, bewerben sich viele Unternehmen bei mehreren Versorgungsunternehmen gleichzeitig, um schnellstmöglich Strom zu sichern – was die Planung für die Netzbetreiber erschwert. Brian Fitzsimons, CEO von GridUnity, berichtete, dass sich ähnliche Projekte mit identischer Größe in verschiedenen Regionen des Landes wiederholen. Seine Plattform sammelt Daten über Anschlussanträge im US-Netz, um Transparenz zu schaffen. Die Folge: Unsicherheit über zukünftige Nachfrage, was zu überhöhten Investitionen in Stromerzeugung und -netze führen könnte. FERC-Chef David Rosner warnte im September, dass bereits ein paar Prozentpunkte Differenz in der Lastprognose Milliarden an Investitionen und Stromrechnungen beeinflussen könnten. Constellation Energy-Chef Joe Dominguez warnte ebenfalls: „Ich glaube, die Nachfrage wird überschätzt. Wir müssen die Geschwindigkeit drosseln.“ Tatsächlich sind Rechenzentren längst real und verbrauchen immer mehr Energie – von 50 Megawatt früher bis zu Gigawatt-Anlagen heute. Laut der Beratungsfirma Grid Strategies könnte der zusätzliche Strombedarf bis 2030 bei 120 Gigawatt liegen, wovon 60 Gigawatt aus Rechenzentren stammen. Das entspricht etwa dem Spitzenbedarf Italiens im Jahr 2024. Fitzsimons betont: „Das ist kein Blasenphänomen, sondern eine tiefgreifende Transformation. Wir brauchen eine 50-jährige Energiepolitik.“ Doch für eine realistische Planung brauchen die Versorger verbindliche Finanzierungsverpflichtungen von den Datenzentren. Ohne klare Zusage bleibt die Planung unsicher. Die Angst vor Überinvestitionen ist groß. Die Branche hat letztes Jahr 178 Milliarden Dollar in Netzausbau investiert und rechnet bis 2029 mit 1,1 Billionen Dollar. Doch Fitzsimons sieht das Risiko heute geringer als vor zwei Jahrzehnten – aufgrund von Lieferkettenproblemen, Inflation und hohen Kosten. „Sie können sich kein Überbau leisten.“ Renewables wie Solar- und Speichersysteme sind derzeit die schnellsten Lösungen: Mehr als 90 Prozent der Projekte im Anschlussprozess sind erneuerbar. Natürliche Gaskraftwerke hingegen sind aufgrund von Lieferengpässen langsamer. Doch politische Unsicherheit bleibt – insbesondere unter Trump, der Wind- und Solarenergie ablehnt und auf Kohle, Gas und Kernenergie setzt. Wenn kein Strom verfügbar ist, lehnen Versorger Kunden ab, sagt Gramlich: „Verlässlichkeit ist ihre Kernaufgabe.“ Ein möglicher Ausweg: Eigenstromerzeugung vor Ort – „behind the meter“. Nvidia-Chef Jensen Huang plädiert dafür: „Selbstversorgung kann schneller gehen als der Netzausbau. Das müssen wir tun.“
