IDC prognostiziert 1,3 Billionen AI-Ausgaben bis 2029
IDC hat eine ehrgeizige Prognose für die KI-Ausgaben bis 2029 veröffentlicht, die mit den kürzlich von Nvidia-Chef Jensen Huang geäußerten Schätzungen von 3 bis 4 Billionen US-Dollar in KI-Investitionen in Übereinstimmung steht. Laut IDC werden die globalen Ausgaben für KI-Infrastruktur bis 2029 auf 1,3 Billionen Dollar ansteigen, wobei ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 31,9 Prozent zwischen 2025 und 2029 erwartet wird. Der Großteil dieser Investitionen – rund 80 Prozent – wird von Dienstleistern getragen, darunter Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google, aber auch mittelständische Anbieter und sogenannte Neocloud-Plattformen. Diese Unternehmen bauen Agentic AI-Plattformen auf, die nicht nur bestehende Anwendungen mit KI-Unterstützung ausstatten, sondern ganz neue, autonom agierende Systeme schaffen, die selbstständig Entscheidungen treffen und neue Software-Ökosysteme generieren. Dies unterscheidet sich grundlegend von der klassischen KI-Integration in ERP-Systeme wie Salesforce oder SAP, bei der KI lediglich als Erweiterung fungiert. Die Entwicklung hin zu rein agentenbasierten Anwendungen könnte eine tiefgreifende Transformation der Softwareindustrie auslösen, vergleichbar mit der ERP-Revolution vor drei Jahrzehnten. IDC betont, dass die KI-Infrastruktur noch Jahre lang weiter ausgebaut werden wird, wobei die Nachfrage nach Rechenleistung, Speicher und Netzwerkressourcen stark ansteigen wird. Die Entwicklung agenter Systeme – die miteinander kommunizieren und ohne menschliches Eingreifen agieren – wird dabei entscheidend sein. Diese Systeme könnten nicht nur Produktivität steigern, sondern auch Arbeitsplätze verändern. Experten warnen jedoch davor, dass eine zu schnelle Automatisierung durch KI die Wirtschaft destabilisieren könnte – etwa durch massive Stellenabbau – was wiederum eine Rezession auslösen und die KI-Adoption noch beschleunigen könnte. Dies spiegelt eine paradoxale Dynamik wider: Die Erfolge der KI könnten die Bedingungen schaffen, die ihre weitere Beschleunigung notwendig machen. Die Prognose ist nicht ohne Kritik. Einige Analysten zweifeln an der Realisierbarkeit des Wachstumsrhythmus, besonders wenn die Rendite von „chatty AI“ – also KI-Systemen mit menschenähnlicher Interaktion – niedriger ausfällt, als erwartet. Die technologische Reife, Kosten-Nutzen-Verhältnisse und regulatorische Hürden könnten den Zeitplan verzögern. Dennoch bleibt die allgemeine Richtung klar: Unternehmen, die zu früh investieren, riskieren hohe Verluste, während Spätpioniere den Wettbewerbsvorteil verlieren könnten. Wie während der Dotcom-Blase gilt auch hier: Timing ist entscheidend. Die KI-Transformation ist nicht nur technologisch, sondern auch strategisch – und die nächsten Jahre werden entscheiden, wer die neuen digitalen Dominanten wird. Industrieexperten sehen die Prognose als realistische, wenn auch ambitionierte Einschätzung, die den aktuellen Innovationsdruck widerspiegelt. IDC gilt als verlässlicher Marktforscher, und die 1,3-Billionen-Dollar-Schätzung unterstreicht, dass KI nicht länger nur ein Trend, sondern eine zentrale Triebkraft für die globale Wirtschaft ist. Die Entwicklung agenter Systeme könnte die IT-Infrastruktur, die Arbeitswelt und die Geschäftsmodelle grundlegend verändern – und das innerhalb weniger Jahre.
