App „Tree Bites“ reduziert Campus-Überreste durch gezielte Benachrichtigungen
Sieben Studierende der Stanford University haben mit „Tree Bites“ eine App entwickelt, die Studenten über übrig gebliebene Speisen bei Campus-Veranstaltungen informiert. Die App, die im Januar im App Store veröffentlicht wurde, ermöglicht es Veranstalter, Fotos von Restessen hochzuladen, zusammen mit Angaben zu Menge, Standort und Haltbarkeit. Interessierte Nutzer in der Nähe erhalten automatisch Benachrichtigungen und Wegbeschreibungen, um die Lebensmittel abzuholen. Der Projektstart erfolgte im Oktober 2023 im Rahmen einer dreiwöchigen Gründungswoche der Affiliated Stanford Entrepreneurial Students (ASES), an der Amy Key ’29, Sanmay Sarada ’29, Selma Ahn ’29 und William Peng ’29 teilnahmen. Die weiteren Mitgründer Aarush Garg ’29, Maia Lopin ’29 und Cash Tieman ’29 stießen später über die Stanford Social Entrepreneurial Students’ Association (SENSA) hinzu. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass wöchentlich Zehntausende Pfund Lebensmittel in den Campus-Kantinen weggeworfen werden, da Studierende ihre Teller überschüssig befüllen. Doch das Team erkannte, dass ein direkter Einfluss auf Essgewohnheiten über eine App allein schwierig sei. Stattdessen konzentrierten sie sich auf Reste von Club- und Fachbereichsveranstaltungen. Inspiriert wurden sie von bestehenden Gruppen wie dem „Stanford Buffet Response Team“ – einem WhatsApp-Chat, in dem Bilder von Restessen geteilt werden – sowie von Kommunikationsgruppen von Wohnheim-Beauftragten. „Warum gibt es nicht eine zentrale App dafür?“, fragte sich Key. Sarada betonte, dass er persönlich Lebensmittelverschwendung bei Veranstaltungen bekämpfen wolle, um sich selbst von der täglichen Kantine zu befreien. Die Entwicklung der App erfolgte mit starkem Einsatz von KI-Tools, insbesondere beim Codieren in Swift – einem Bereich, mit dem Sarada zuvor keine Erfahrung hatte. Etwa 90 % der Code-Entwicklung wurde durch KI unterstützt, doch die Benutzeroberfläche erforderte intensive manuelle Anpassungen und zahlreiche Debugging-Sessions, darunter mehrere Nachtschichten. Heute steht das Projekt vor der Herausforderung, sowohl Veranstalter als auch Nutzer zu gewinnen. Die Instagram-Seite von Tree Bites hat bereits fast 1.000 Follower, ein Post auf Fizz erhielt über 2.200 Upvotes. Partnerschaften mit Einrichtungen wie der FLISSC (First-Generation and/or Low Income Student Success Center) sollen die Akzeptanz fördern. Dennoch gibt es Widerstände: Einige Studierende zeigen wenig Interesse, andere werfen Reste einfach weg. Doch Sarada bleibt optimistisch: Er beobachtete, wie ein älterer Mann freiwillig Reste an Studenten im Coffee House verteilte – ein Zeichen dafür, dass Institutionen und engagierte Einzelpersonen die Bewegung voranbringen. Auch Wohnheim-Beauftragte wie Ana San Jose Gonzalez ’26 sehen Potenzial, da Studierende oft hungrig seien. Zukünftige Ziele umfassen die Karte von Campus-Frigo-Schränken und die Expansion auf andere Hochschulen. Das Team möchte erreichen, dass Tree Bites selbstverständlich im Campus-Alltag wird. Die Initiative wird von Branchenexperten als vielversprechend bewertet. „Tree Bites zeigt, wie digitale Lösungen konkret zur Nachhaltigkeit beitragen können“, sagt eine Expertin für Campus-Ökologie. Die Kombination aus KI-gestützter Entwicklung und sozialer Zielgruppenorientierung sei innovativ und skalierbar. Stanford bleibt als Vorreiter in studentischen Nachhaltigkeitsprojekten anerkannt, und Tree Bites könnte ein Modell für andere Universitäten werden.
