Apple kämpft um TSMC-Kapazität, Nvidia rückt in den Vordergrund
Apple kämpft um Produktionskapazitäten bei TSMC, während Nvidia als neuer Spitzenkunde an Einfluss gewinnt. Als CC Wei im August 2024 in Cupertino vor Tim Cook und seinem Team stand, brachte er nicht nur die Ankündigung einer erheblichen Preiserhöhung mit, sondern auch die Erkenntnis: Apple ist nicht mehr der dominierende Kunde. Laut Analyse von Culpium und Quellen aus der Lieferkette übertraf Nvidia Apple in mindestens einem Quartal des Vorjahres hinsichtlich der Bestellungen bei TSMC. Obwohl TSMC keine offiziellen Rankings veröffentlicht, deutet der massive Umsatzanstieg bei Nvidia – mit einer Prognose von 62 % Wachstum im Jahr bis Januar 2026 – sowie die stagnierende Produktumsatzentwicklung bei Apple (nur 3,6 % Wachstum bis Dezember 2025) darauf hin, dass der Spitzenplatz für TSMC möglicherweise bereits verloren ging – und mit hoher Wahrscheinlichkeit 2026 endgültig an Nvidia geht. Der Grund liegt in der rasanten Entwicklung der KI. Während der Smartphone-Markt an Dynamik verliert, steigt die Nachfrage nach hochleistungsfähigen Chips für KI-Anwendungen rasant. TSMCs Umsatz aus High-Performance-Computing (HPC) stieg 2025 um 48 %, nach 58 % im Vorjahr. Smartphone-Chips wuchsen nur um 11 %. Dieser Trend wird sich fortsetzen: TSMC rechnet für 2026 mit einem Umsatzwachstum von rund 30 %, während die Investitionen (Capex) auf 52 bis 56 Milliarden US-Dollar steigen – ein Rekord. Langfristig soll das Wachstum im Bereich KI durchschnittlich 55 % pro Jahr betragen, deutlich über der vorherigen Prognose von Mitte-40er-Prozenten. TSMC zeigt dabei beeindruckende Margen: Im vierten Quartal 2025 erreichte die Bruttomarge 62,3 % – nahe an den Werten von Softwareunternehmen. Dieser Erfolg ist auch auf die fortschrittlichen Fertigungsverfahren wie N2 (2 nm), N2P und das neue A16-Verfahren zurückzuführen, das mit Super Power Rail (SPR) speziell für komplexe Signalwege in HPC-Chips optimiert ist. TSMC baut dafür neue Fabriken, statt alte umzurüsten – eine Strategie, die kontinuierliche Produktion sichert und maximale Effizienz aus alten Prozessen nutzt. Trotz der aktuellen Dominanz von Nvidia bleibt Apple wichtig. Seine Chippalette umfasst nicht nur Smartphone-Prozessoren, sondern auch Mac-Chips (HPC) und Custom-Chips für Zubehör. Zudem ist Apple in mindestens zwölf TSMC-Fabriken tätig – weit mehr als Nvidia. Die KI-Boom-Phase ist zwar extrem profitabel, aber nicht nachhaltig. Wenn die Nachfrage abflacht, wird die breite Produktionsbasis von Apple einen entscheidenden Vorteil bringen. TSMC-Chef CC Wei betonte in seiner Investor-Tagung: „Ich bin sehr besorgt. Wenn wir nicht vorsichtig handeln, könnte das eine Katastrophe für TSMC werden.“ Die Kritik an TSMC, zu langsam zu expandieren, sei unfair. TSMC ist kein fabless-Chipdesigner wie Nvidia oder Google. Sein Kapitalintensität liegt bei über 33 %, die Abschreibungen bei 45 % des Umsatzes – im Gegensatz zu Nvidia (2,5 % Kapitalintensität, 5,7 % Abschreibungen). TSMC trägt das Risiko, wenn die Nachfrage einbricht. Die Bauzeit für eine neue Fabrik beträgt zwei bis drei Jahre – daher muss die Investition vorausschauend erfolgen. Insgesamt: Während Nvidia aktuell den Ton angibt, bleibt Apple auf lange Sicht unverzichtbar. Die Balance wird sich mit dem Einführung von A14 – einem Prozess, der von Anfang an für Mobile und HPC geeignet ist – wieder verschieben. Denn bei der Chipindustrie zählt nicht nur der momentane Umsatz, sondern auch die Stabilität und Vielfalt der Kundenbeziehungen.
