Mosseri: AI verändert Kreativität – Gesellschaft muss sich anpassen
Adam Mosseri, Chef der Instagram-Plattform bei Meta, hat in einer Rede auf der Bloomberg Screentime-Konferenz auf Bedenken von YouTuber MrBeast (Jimmy Donaldson) reagiert, der kürzlich vor der Bedrohung durch KI-generierte Inhalte gewarnt hatte. Mosseri betonte, dass KI die Kreativität nicht ersetzen, sondern erweitern werde – insbesondere für Menschen, die bisher keinen Zugang zu hochwertiger Content-Erstellung hatten. Während MrBeast befürchtete, dass KI die Grundlage von Content-Produktionen wie seinen aufwändigen, realen Sets untergrabe, argumentierte Mosseri, dass KI vor allem den Produktionsprozess unterstützen werde, nicht ihn ersetzen. Er verglich die Wirkung von KI mit der früheren Revolution des Internets: Damals wurde die Verbreitung von Inhalten fast kostengünstig, heute könne KI die Erstellung von Inhalten nahezu kostenglos machen. Mosseri räumte jedoch ein, dass KI auch Missbrauchspotenzial habe – etwa zur Verbreitung von Falschinformationen oder manipulierten Videos. Er betonte, dass Kinder in Zukunft lernen müssten, dass ein Video nicht automatisch der Realität entspricht. „Meine Kinder sind jung – neun, sieben und fünf Jahre alt. Sie müssen verstehen, dass ein Video nicht bedeutet, dass etwas tatsächlich passiert ist“, sagte er. Dies erfordere eine neue Medienkompetenz, die sich auf die Quelle, die Motivation und die Absicht hinter einer Nachricht konzentriert. Zwar hatte Meta ursprünglich versucht, KI-generierte Inhalte automatisch zu kennzeichnen, doch diese Strategie erwies sich als problematisch: Auch Inhalte, die mit KI-Tools wie Adobe bearbeitet wurden, wurden fälschlicherweise als künstlich gekennzeichnet. Mosseri nannte dies eine „Scheinsonnenjagd“ und betonte, dass eine bessere Lösung mehr Kontext und Transparenz bieten müsse. Möglicherweise könnte Meta hierfür seine Community Notes-Plattform nutzen, eine von Nutzern getragene Faktenprüfung, die bereits in den USA eingeführt wurde. Stattdessen von externen Fact-Checkern abhängig zu sein, könnte Meta künftig die Community aktiv in die Identifizierung von KI-Inhalten einbeziehen. Mosseri betonte, dass die Verantwortung nicht allein bei Plattformen liege: „Es wird nicht nur um Technologie gehen, sondern um eine gesellschaftliche Anpassung.“ Er sieht die Herausforderung nicht nur in der Technik, sondern in der Bildung von kritischem Denken, besonders bei jungen Nutzern. Weitere Themen in seiner Ansprache waren die zukünftige Rolle von Instagram: Die Plattform setzt weiter auf Reels und Direktnachrichten, was nach Mosseri den tatsächlichen Nutzertrends folgt. Ein eigenes TV-App-Format sei in Planung. Was TikTok betrifft, so sieht er die neue US-Struktur – trotz der Änderung des Eigentümers – als weitgehend unverändert. Die App bleibe dieselbe, mit denselben Algorithmen und Creator-Netzwerken. Die Konkurrenz habe Instagram jedoch dazu gezwungen, besser zu werden. In der Branche wird Mosseris Ansatz als realistisch und verantwortungsbewusst gewürdigt. Experten begrüßen, dass er die Grenzen der KI-Regulierung einräumt und auf Bildung setzt. Meta wird als Unternehmen kritisch beobachtet, da es trotz seiner Beteuerungen noch keine robuste, nachvollziehbare KI-Transparenzstrategie umgesetzt hat. Die Forderung nach kritischem Medienverhalten bei Kindern wird als notwendig, aber herausfordernd angesehen – besonders in einer Welt, in der KI-Inhalte immer realistischer werden.
