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Künstliche Intelligenz droht Löhne zu dämpfen – doch Investitionen können Absturz verhindern

Künstliche Intelligenz treibt derzeit eine bemerkenswerte Produktivitätssteigerung und Lohnzuwächse voran – doch nach Ansicht von Ioana Marinescu, Associate Professor an der University of Pennsylvania, könnte dieser Aufwärtstrend bald seinen Höhepunkt erreichen. In einer gemeinsamen Studie mit Konrad Kording vom Brookings Institution untersucht sie das Phänomen der „Intelligenz-Sättigung“, das besagt, dass sich die Löhne zunächst erhöhen, dann stagnieren und schließlich sinken könnten, wenn Maschinen zunehmend kognitive Aufgaben übernehmen. Marinescu schätzt, dass bereits über 14 Prozent der „Intelligenz-Arbeitsaufgaben“ automatisiert sind – ein Anstieg, der sich aus dem Rückgang routinemäßiger kognitiver Tätigkeiten von 49 Prozent in den 1970er und 1980er Jahren auf 35 Prozent im Jahr 2018 ergibt. In der Basissimulation des Brookings-Papiers beginnen Löhne zu fallen, sobald etwa 37 Prozent der kognitiven Aufgaben automatisiert sind – ein Szenario, das schneller eintreten könnte, als erwartet, wenn die AI-Adoption weiter beschleunigt. Bisher gibt es jedoch keine breite Anzeichen für einen solchen Wandel. Marinescu betont, dass es „zu früh“ sei, um eindeutige Trends zu erkennen. Dennoch weist sie auf Hinweise hin, dass jüngere, weniger erfahrene Arbeitnehmer in AI-exponierten Berufen – wie Softwareentwicklung oder Kundenservice – bereits stärker betroffen sind. Eine Studie der Stanford University zeigte, dass der Anteil junger Erwachsener im Alter von 22 bis 25 Jahren in solchen Berufen seit dem Aufkommen generativer KI um 13 Prozent zurückgegangen ist, während ältere und weniger exponierte Gruppen stabil oder sogar zulegen. Der entscheidende Warnhinweis, so Marinescu, wäre jedoch ein signifikanter Rückgang des Anteils kognitiver Arbeitsplätze insgesamt – ein Zeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt sich in Richtung physische Arbeit verlagert. Doch ein Lohnrückgang ist laut Marinescu nicht unvermeidbar. Sie argumentiert, dass die beiden Sektoren – physische Arbeit und kognitive Arbeit – komplementär sind, ähnlich wie Arbeit und Kapital. Wenn AI und menschliche Arbeit sich ergänzen, können Produktivität und Löhne langfristig steigen. Die entscheidende Voraussetzung: Die physische Wirtschaft – Fabriken, Krankenhäuser, Baustellen, Infrastruktur – muss Schritt halten mit der Innovation im kognitiven Sektor. Ohne ausreichende Investitionen in physische Kapazitäten droht die Automatisierung, die menschliche Arbeit zu ersetzen, anstatt sie zu stärken. Die Autoren schlagen daher vor, die Automatisierungsgeschwindigkeit zu drosseln und in physische Investitionen zu steigern. Zudem wird ein Steuern von „virtueller Arbeit“ vorgeschlagen, um Unternehmen zu ermutigen, menschliche Arbeitskraft beizubehalten – ein Konzept, das Ähnlichkeit mit Sen. Bernie Sanders’ Vorschlag einer „Robotersteuer“ aufweist. Das entscheidende Unbekannte bleibt, wie ersetztbar menschliche und künstliche Intelligenz sind. Wenn AI die meisten kognitiven Aufgaben übernimmt, stagniert die Lohnentwicklung. Doch wenn Mensch und Maschine weiterhin sich ergänzen, könnte die Wirtschaft weiter wachsen, ohne Arbeitnehmer zu verlieren. Die Zukunft hängt somit weniger von der Technologie als von der gesellschaftlichen Entscheidung ab, wie wir sie einsetzen. Industrieexperten sehen Marinescus Ansatz als realistisch und dringend notwendig. Sie betonen, dass technologische Fortschritte allein nicht ausreichen – eine bewusste politische und wirtschaftliche Strategie sei entscheidend, um eine gerechte Transformation zu gewährleisten. Unternehmen wie Google, Microsoft und Amazon investieren bereits massiv in AI, doch ohne strukturelle Maßnahmen droht eine zunehmende Ungleichheit. Marinescus Forschung liefert einen wichtigen Rahmen, um die Herausforderungen der Automatisierung nicht nur zu erkennen, sondern aktiv zu gestalten.

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