Erste landwirtschaftliche Karten für Hawaii verbessern Lebensmittelsicherheit und Katastrophenbewältigung
Erstmals verfügt Hawaii über hochauflösende, crop-spezifische Landkarten, die die landwirtschaftliche Entwicklung des Bundesstaates detailliert abbilden. Das Hawaiʻi Cropland Data Layer (HCDL), entwickelt von der University of Hawaiʻi at Mānoa in Zusammenarbeit mit dem National Agricultural Statistics Service (NASS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), bietet nun eine präzise, jährlich aktualisierte Übersicht über die landwirtschaftliche Nutzung. Die Karten, die auf Google Earth Engine und KI-Technologie von Google DeepMind basieren, sind ab 2023 und 2024 öffentlich über die NASS-Plattformen CroplandCROS und AgriWatch zugänglich. Bislang fehlte Hawaii eine solche Datenbasis – ein „Wüste“ für landwirtschaftliche Kartierung – was die Überwachung von Erntearten, Veränderungen im Flächenverbrauch und die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung erheblich erschwerte. Besonders deutlich wurde dieser Mangel bei den verheerenden Feuern auf Maui im Jahr 2023, als Behörden aufgrund veralteter oder fehlender Karten nur verzögert die Auswirkungen auf die Landwirtschaft bewerten konnten. Ohne aktuelle Feldkarten war es unmöglich, den genauen Verlust an Ackerflächen zu quantifizieren oder zu erkennen, welche Pflanzen besonders betroffen waren – was die Priorisierung von Hilfsmaßnahmen erschwerte. Die besondere Herausforderung in Hawaii liegt in der vielfältigen, kleinen und fragmentierten Struktur der landwirtschaftlichen Flächen: Im Gegensatz zu den großen Monokulturen auf dem US-amerikanischen Festland werden hier oft mehrere Pflanzenarten gleichzeitig auf kleinen Flächen angebaut. Dies erschwert die Kartierung, erhöht aber auch den Wert präziser Karten. Sie ermöglichen nun eine gezielte Ressourcenallokation, verbesserte Bewässerungsplanung, effektivere Bekämpfung invasiver Arten und eine stärkere Anpassung an klimatische Veränderungen. Die Karten können zukünftig auch proaktiv eingesetzt werden – etwa, um Gebiete mit hohem Dürre- oder Brandrisiko frühzeitig zu identifizieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen. In Krisensituationen wie dem Maui-Feuer könnten die Karten bereits im Verlauf eines Ereignisses helfen, die betroffenen Erntegebiete schnell zu lokalisieren, wirtschaftliche Schäden abzuschätzen und Hilfsleistungen gezielt zu richten. Die Entwicklung des HCDL wurde von Qi Chen (UH Mānoa) und Zhe Li (USDA) geleitet, unterstützt von Forschern wie Noa Lincoln (UH Mānoa), Zhengwei Yang (USDA), Haonan Chen (Colorado State University) und Changyong Cao (NOAA). Die Daten für das Jahr 2025 sollen im Februar 2026 veröffentlicht werden. Fachleute sehen in den Karten einen Meilenstein für die landwirtschaftliche Resilienz und Nachhaltigkeit in Hawaii. „Dies ist nicht nur eine Kartierung, sondern ein strategisches Werkzeug für eine sicherere, adaptivere und transparentere Landwirtschaft“, betont ein Experte. Die Integration mit Echtzeit-Daten zu Wetter, Dürre und Feuergefahren macht das HCDL zu einem zentralen Instrument für Politik, Forschung und landwirtschaftliche Praxis. Die Universität Hawaiʻi und das USDA haben damit ein Modell geschaffen, das andere Inselregionen und klimaempfindliche Gebiete weltweit nachahmen könnten. Die Karten sind ein konkretes Beispiel dafür, wie moderne KI-gestützte Geodaten die Nahrungsmittel- und Klimasicherheit stärken können – besonders in Regionen mit komplexen, vielfältigen und anfälligsten landwirtschaftlichen Systemen.
