DeepSeek-Forscher warnt vor Massenentlassungen durch KI in zehn Jahren
Ein Seniorforscher von DeepSeek, Chen Deli, hat vor einer drohenden Arbeitsplatzvernichtung durch Künstliche Intelligenz innerhalb der nächsten zehn Jahre gewarnt. Während einer Podiumsdiskussion auf der Welt-Internet-Konferenz in Wuzhen betonte er, dass KI in den kommenden 10 bis 20 Jahren die meisten menschlichen Berufe verdrängen könnte – mit tiefgreifenden Folgen für die gesellschaftliche Struktur. Er forderte von Tech-Unternehmen, nicht nur Innovatoren, sondern „Wächter der Menschheit“ zu werden, die vor Risiken warnen und die Sicherheit der Bevölkerung sowie die Neuordnung der Gesellschaft unterstützen. Die Aussage ist bemerkenswert, da DeepSeek seit ihrem Aufstieg im Frühjahr 2024 bewusst eine geringe öffentliche Präsenz pflegt. Der CEO, Liang Wenfeng, ist seit einem öffentlichen Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping im Februar nicht mehr in Erscheinung getreten. Chen beschrieb die aktuelle Phase als „Honeymoon-Phase“, in der KI noch nicht autonom arbeitet, sondern als Produktivitäts-Tool genutzt wird. Doch in den nächsten fünf bis zehn Jahren werde die KI-Entwicklung so rasant voranschreiten, dass der Arbeitsmarkt massiv betroffen sei. In dieser Phase müssten Tech-Unternehmen als „Whistleblower“ agieren, um die Gesellschaft vor den langfristigen Gefahren zu warnen. Sein Appell richtet sich an die Branche, Verantwortung zu übernehmen, anstatt nur wettbewerbsorientiert zu agieren. DeepSeek, gegründet 2023 in Hangzhou, hat sich in kurzer Zeit zu einem Symbol chinesischer technologischer Ambitionen entwickelt, besonders im Kontext des wachsenden US-China-Wettlaufs im Bereich KI. Mit dem Erscheinen des kostengünstigen Reasoning-Modells R1 im Januar schockierte das Unternehmen nicht nur die Branche, sondern auch die US-Aktienmärkte. R1 soll Top-Modelle wie OpenAI’s o1 erreichen, aber mit deutlich geringeren Kosten. OpenAI selbst warnte im März vor dem sich verengenden Vorsprung der USA und nannte DeepSeek als konkreten Grund für Sorge. Im August folgte dann die Einführung von GPT-oss – einer Reihe offener KI-Modelle mit „offenen Gewichten“ – was Analysten zufolge stark von dem Erfolg chinesischer Open-Source-Modelle beeinflusst war. Ray Wang, Forschungsleiter für Halbleiter und Emerging Technology bei Futurum Group, erklärte, dass GPT-oss die Lücke zu China verringert habe, insbesondere durch vergleichbare Leistungs- und Größenparameter. Sollte die USA im Bereich offener KI nicht aufholen, könnte sich die globale Dominanz zunehmend in Richtung China verschieben, wodurch chinesische Modelle zum Standard für Forschung und Anwendungen werden könnten. Die Warnung von Chen Deli unterstreicht nicht nur die technologische Dynamik, sondern auch die drängende Notwendigkeit ethischer und gesellschaftlicher Reflexion. In der KI-Debatte geht es zunehmend nicht mehr nur um Leistung, sondern um die langfristige Rolle der Technologie in der menschlichen Gesellschaft.
